Bergvölker und Bodenproben
Die Umgebung, in der Menschen leben, prägt ihr Denken, Handeln und Zusammenleben. Diese Einflüsse aufzudecken, ist ein Ziel der neuen Graduiertenschule an der Kieler Uni.

Kunstwissenschaftler werden an Bildern untersuchen, wie sich Gesellschaften entwickelten. Im Bild: »Auswirkungen der Guten Regierung aufs Land« aus einem Freskenzyklus von Ambrogio Lorenzetti, Rathaus von Siena, Italien.
Ein Forschungsobjekt sind zum Beispiel Hirtenvölker des Zagrosgebirges im Nordiran. »Diese Bergvölker lassen sich trefflich studieren, da sie in Interaktion mit Zeitgenossen aus der Ebene eine eigene Identität als Bergvolk ausgebildet haben«, so der Altphilologe. Leute aus der Ebene haben Wesen und Verhalten der Bergleute schriftlich festgehalten. In diesen Schriftquellen werden ihnen Charaktermerkmale zugesprochen, die heutigen Klischees von Bergvölkern entsprechen, etwa dass sie hart und knochig seien.
Wenn Schriftquellen fehlen, müssen die Archäologen an die Arbeit. Käppel: »Das ist eine hohe Kunst, aus materiellen Hinterlassenschaften auf mentale Strukturen zu schließen.« Archäologen könnten anhand von Siedlungsstrukturen Rückschlüsse auf die soziale Organisation von Völkern schließen. Interessant für die Wissenschaftler ist an diesem Beispiel, wie das Gebirge als natürlicher Lebensraum auf die kulturelle Selbst- und Fremdbildung wirkt.
Wie Menschen Räume oder Landschaften wahrnehmen, welche Mechanismen dabei ablaufen, damit werden sich die beteiligten Psychologen eingehend beschäftigen. Dabei bewegen sie sich auf neuem Terrain, denn normalerweise beschäftigen sich Psychologen mit der Gegenwart, nicht mit der Vergangenheit. Interessant in diesem Zusammenhang sei auch die Metaphorik, in der Menschen ihre eigenen Gesellschaften beschreiben. Sie sei sehr stark räumlich geprägt. »Es gibt ein Oben und ein Unten in der Landschaft, und es gibt Insider und Outsider«, so Käppel.
Ein weiteres Forschungsobjekt sind Gärten, also vom Menschen geschaffene Landschaften. Käppel: »Die Gartenkultur lässt sich durch die Jahrhunderte, von der Antike bis in die Neuzeit, studieren. Gärten werden nach sehr verschiedenen, meist politischen Konzepten gestaltet. Sie sind immer Abbilder der Gesellschaften, die dargestellt werden sollen.« Im Mittelalter haben vor allem Klöster die Landschaft gestaltet, etwa indem sie Wälder rodeten und das Land bestellten. Das Wissen über die Land- und Waldwirtschaft wurde in den Klöstern gepflegt und weiterentwickelt.
»Menschen konstruieren ihre Vorstellungen von Landschaft, und sie geben diese Vorstellung auch wieder zurück in die Gestaltung ihrer Umwelt«, erklärt der Altphilologe. »Daraus ergibt sich eine ständige Wechselwirkung zwischen existierenden Landschaften und menschlichem Denken auf individueller Basis sowie menschlichen Gesellschaften insgesamt.« (ne)
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