Einwurf: Diplom-Psychologen sind keine Therapeuten

Christian Kaernbach. Foto: pur.pur
unizeit: Sie sind als Diplom-Physiker und promovierter Mediziner letztlich bei der Psychologie gelandet. Haben Sie das falsche Fach studiert?
Kaernbach: Nein. Ich befinde mich in bester Gesellschaft. Es gibt gerade in der Psychologie etliche Wissenschaftler, die als Quereinsteiger zu dem Fach gekommen sind und Beträchtliches geleistet haben. Denken Sie an Hermann von Helmholtz. Und auch unter den heutigen Kollegen kenne ich viele Physiker, Mathematiker oder Mediziner. Möglicherweise hätte ich aber, zusätzlich zur Physik, auch Psychologie studiert, wenn ich über die Ausrichtung des Fachs richtig informiert gewesen wäre.
Wo liegt das Missverständnis?
Studierende müssen sich in den Grundlagenfächern zum Beispiel mit dem Aufbau von Nervenzellen und den Mechanismen der Nervenzellkommunikation auseinandersetzen. Das hat am Anfang sehr viel mit Chemie und Physik zu tun. Damit rechnen viele Studierende nicht. Sie erwarten vielmehr, dass sie gleich in die Praxis der Psychotherapie eingewiesen werden.
Wem würden Sie von einem Psychologie-Studium abraten?
Als Begründung für den Wunsch, Psychologie zu studieren, hörte ich in meiner Zeit als Studienberater in Leipzig oft »ich kann so gut mit Menschen« oder »ich möchte Menschen helfen«. Das ist als Motivation für das Studium der Psychologie absolut unzureichend. Psychologie ist eine Wissenschaft, in der es darum geht, den menschlichen Geist in seinen vielen Facetten zu verstehen.
Wir sind keine Berufsausbildungsakademie für Psychotherapeuten und vermitteln diese praktischen Fähigkeiten auch nicht. Die Ausbildung zum Psychotherapeuten erfolgt erst nach dem Studium, sie dauert bis zu fünf Jahre und muss meist privat bezahlt werden. (ne)
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Christian Kaernbach
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