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unizeit Nr. 46 vom 09.02.2008, Seite 8  voriger  Übersicht  Übersicht  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Zufrieden mit der Umwelt

Eine intakte Umwelt hat nicht nur einen ideellen, sondern auch einen materiellen Wert. Umweltökonomen versuchen, diesen zu beziffern.


Nicht nur Pflanzen und Tiere brauchen einen heilen Lebensraum, auch unser Wohlbefinden hängt davon ab. Foto: Getty Images

Das schafft Arbeitsplätze. Dieses Argument kommt garantiert, wenn Autobahnen gebaut, Flüsse vertieft oder Biotope zerstört werden. Es soll uns von der wirtschaftlichen Notwendigkeit überzeugen. Schäden für die Umwelt, das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten werden dabei oft billigend in Kauf genommen. Der umgekehrte Fall, also dass Lebensräume aus wirtschaftlichen Gründen geschützt werden, scheint absurd. Ökologisch ist gleich unwirtschaftlich, so die verbreitete Auffassung. Ein Irrtum, wie Dr. Katrin Rehdanz weiß. Die Kieler Juniorprofessorin für Umwelt- und Ressourcenökonomik beschäftigt sich seit rund sieben Jahren mit der Umweltbewertung. »Wir bezahlen viel Geld für sauberes Trinkwasser und saubere Luft. Oder schauen Sie sich die Mieten und Hauspreise an. Wer in einer ruhigen, grünen Gegend wohnen möchte, muss dafür mehr bezahlen als in der Nähe von Flughäfen oder großen Straßen.« Auch Umweltgüter haben einen Wert. Aber es gibt keinen Markt für saubere Luft, Wasser oder Artenreichtum. Um den Wert dieser Güter zu ermitteln, nutzen Volkswirte andere Methoden.

Die neue Mitarbeiterin im Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft« geht dabei indirekt vor. Sie nutzt Daten zur Zufriedenheit der Bevölkerung verschiedener Länder und untersucht, ob sich Unterschiede in der Zufriedenheit auch durch unterschiedliche Umweltbedingungen wie Biodiversität (biologische Vielfalt) erklären lassen. »Biodiversität habe ich anhand von Artenreichtum gemessen. Ich habe Vogelartenreichtum und Säugetiervielfalt ausgewählt«, so Katrin Rehdanz. Basis der Untersuchung war der World Value Survey (weltweite Werteumfrage). Die Datensammlung basiert auf repräsentativen Befragungen der Bevölkerung in 80 Ländern, unter anderem darüber, wie zufrieden auf einer Skala von null (sehr unzufrieden) bis zehn (sehr zufrieden) sie mit ihrem Leben sind. Mit ökonometrischen Methoden analysierte sie, welche Faktoren Unterschiede in der Zufriedenheit der Menschen erklären können. Katrin Rehdanz: »Natürlich haben ökonomische Faktoren wie Einkommen, Arbeitslosigkeit oder Inflation einen Einfluss, auch der Bildungsgrad, die Gesundheit oder die Lebenserwartung wirken sich aus.«

Darüber hinaus fand die Wissenschaftlerin aber auch einen Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt. »Die Bevölkerung von Ländern, die über einen höheren Reichtum an Vogelarten verfügen, ist zufriedener, verglichen mit den Bewohnern von Ländern mit weniger reicher Vogelwelt. Und wenn man dann noch den Prozentsatz der bedrohten Tiere berücksichtigt, findet man auch hier einen Zusammenhang. Je mehr Tierarten bedroht sind, desto unzufriedener ist die Bevölkerung. Das gilt auch wieder für Vögel.« Für Säugetierarten konnte sie keinen eindeutigen Zusammen­hang nachweisen.

Bereits früher hat Katrin Rehdanz einen Zusammenhang zwischen Klima und Zufriedenheit nachgewiesen. Entscheidend waren weder die Anzahl der Regentage noch die Jahresdurch­schnitts­temperaturen. »Einen Einfluss auf die Zufriedenheit hatten vor allem sehr niedrige Temperaturen im kältesten Monat und sehr hohe Temperaturen im wärmsten Monat. Dort waren die Bewohner unzufriedener, verglichen mit Ländern, wo es im Winter weniger kalt oder im Sommer weniger heiß wird«, berichtet die Umweltökonomin.

Wie kommt man aber von diesem Ergebnis zu einem Zahlenwert der biologischen Vielfalt oder eines gemäßigten Klimas? »Die Statistik enthält sowohl Daten zur biologischen Vielfalt als auch Daten zum Einkommen und beides beeinflusst die Zufriedenheit. Ich kann anhand dieser Daten vergleichen, wie viel ich mehr verdienen müsste, um die Zufriedenheit um das gleiche Maß zu erhöhen, wie ich es durch Steigerung der biologischen Vielfalt erhöhe. So kommt man von der Zufriedenheit aufs Geld.« (ne)
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