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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 47 vom 12.04.2008, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Bis ins Herz

Eine neue Methode, erkrankte Herzklappen zu ersetzen könnte in Zukunft vielen Patienten eine Operation am offenen Herzen ersparen.


So sieht die Herzklappe aus, die Dr. Georg Lutter (l.) und Dr. René Quaden als Ersatz für eine defekte Klappe in die Aorta (Hauptschlagader) einsetzen. Sie kann auf ein kleines Gerüst (Stent) genäht, gefaltet und über einen Katheter eingesetzt werden. Vor der Operation sind Röntgenaufnahmen des Brustkorbes und eventuell CT-Aufnahmen des Kopfes (im Hintergrund) notwendig.
Foto: Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie

Defekte oder verkalkte Herzklappen gehören neben verengten Herzkranzgefäßen zu den häufigsten Gründen, die eine Herzoperation nötig machen. Betroffen sind vor allem ältere Patienten. »Etwa fünf Prozent der über 80-Jährigen hat eine Herzklappen­erkankung. Mehr als 25.000 Patienten werden in Deutschland jedes Jahr mit einer neuen Herz­klappe versorgt«, berichtet Dr. Georg Lutter von der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. »Wir haben hier vier bis fünf Klappeneingriffe in der Woche.« Was für den Mediziner zum Standard in der Herzchirurgie gehört, ist für den Patienten ein gewaltiger Eingriff. Der Brustkorb wird hierbei geöffnet, das Herz vorübergehend ruhiggestellt und der Blutkreislauf mit der Herz-Lungen-Maschine aufrecht- erhalten. Nach dem Eingriff dauert es Wochen, bis der Herzpatient wieder voll belastbar ist. Vor allem für sehr alte (über 90-jährige) oder deutlich geschwächte Patienten kann die Operation ein Wagnis sein.

Um eine schonende Alternative anbieten zu können, leisten Lutter und seine Arbeitsgruppe "minimal-invasiver Herzklappenersatz" seit zehn Jahren Pionierarbeit. Bereits fünf Forschungs­preise haben sie in den letzten Jahren erhalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesforschungsministerium fördern das Projekt. Ziel ihrer Arbeit ist ein kathetergestützter Eingriff. Über einen kleinen Schnitt in der Leiste führt der Chirurg dabei einen speziellen Schlauch, den Herzkatheter, in die großen Blutgefäße bis zum Herz. Durch den Herzkatheter kann dann mit speziellen, sehr kleinen Instrumenten und einer Kamera im Herzen operiert werden. Beim Aufweiten von verengten Herzkranzgefäßen ist diese Technik bereits gut eingeführt. Für kompliziertere Eingriffe wie das Herausschneiden von Herzklappen eignen sich die bisherigen Verfahren jedoch nicht. Einige Zentren bieten bereits jetzt Verfahren an, Herzklappen mittels Katheter zu operieren. Dabei wird jedoch die verkalkte Klappe der Patienten nicht entfernt, sondern nur in die Gefäßwand gedrückt. Dadurch kommt es häufiger zu Komplikationen.

Die Kieler Herzspezialisten um Klinikleiter Professor Jochen Cremer haben nun eine neue Technik entwickelt und erproben diese zurzeit an Großtieren. »Es ist uns gelungen, die alte, verkalkte Herzklappe vom Blutfluss zu isolieren«, erklärt Dr. René Quaden, der seit fünf Jahren mit Lutter zusammenarbeitet. »Mit Hilfe einer speziellen Lasersonde oder eines starken Wasserstrahlskalpells schneiden wir die erkrankte Klappe heraus, zerkleinern und entfernen sie. Anschließend setzen wir die neue biologische Herzklappe ein.« Dazu montieren sie die Klappe außerhalb des Herzens zunächst auf ein Drahtgerüst. Gefaltet gelangt sie durch den Katheter in das Herz, dort wird sie entfaltet und eingesetzt. Wenn die Methode ausgereift ist, soll eine klinische Anwendung am Patienten erfolgen. Lutter äußert sich optimistisch: »In wenigen Jahren könnte das Katheterverfahren die Operation am offenen Herzen ersetzen.« Das Interesse der Fachwelt an der neuen Operationstechnik ist groß. »Wir sind die einzigen, die mittels Kathetertechnik eine defekte Herzklappe herausschneiden«, betont Lutter. Weltweit arbeiten gerade einmal fünf Arbeitsgruppen intensiv und erfolgreich auf diesem Gebiet. (ne)

www.uni-kiel.de/hgck
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