Cleverer Cocktail
Wie Anti-HIV-Medikamente kombiniert werden und wann die Kombination durch eine andere ersetzt wird, muss gut geplant werden. Ein ökonomisches Modell kann hierbei helfen.

In armen Ländern, wie in afrikanischen, sind Aids-Medikamente rar. Foto: Picture Alliance
So viel zur Theorie. Die Praxis sieht jedoch in vielen Ländern der Welt anders aus. Ärzte und Gesundheitszentren sind schwer erreichbar, die Auswahl der Medikamente ist stark eingeschränkt und an teure Blutanalysen im Labor ist nicht zu denken. Wie sollte die HIV-Therapie unter diesen Bedingungen strukturiert werden, damit die einzelnen Medikamente möglichst lange wirken? Dieser Frage ging Dr. Michael Stolpe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft auf der Basis ökonomischer Theorien nach. »Wir haben ein Modell entwickelt, wie man mit Hilfe der modernen Investitionstheorie besser erklären kann, in welcher Reihenfolge und in welchem zeitlichen Abstand die verschiedenen Medikamenten-Cocktails gegeben werden sollten«, berichtet der Kieler Experte für globale Gesundheitsökonomie. Berücksichtigt wurde hierbei, dass Resistenzen gegenüber einzelnen Medikamenten nicht im Labor nachgewiesen werden können. »Man kann nur feststellen, die Therapie wirkt nicht mehr. Der Arzt weiß aber nicht, ob sich eine Resistenz entwickelt hat und gegen welches Medikament in dem Cocktail, oder ob die Tabletten einfach nicht eingenommen wurden. Da braucht man ein Modell, das erklärt, wie man auf unvollständige Information über die wahre Resistenzbildung reagieren soll. Das haben wir entwickelt.«
Eine rationale Therapieplanung ist vor allem in Ländern wichtig, wo die Auswahl der Wirkstoffe gering ist. Resistenzen sollten möglichst gar nicht erst entstehen, da resistente Viren auf andere Personen übertragen werden könnten. Eine Ausbreitung der Resistenz würde das ohnehin kleine Medikamentenarsenal weiter einschränken. Vorbeugen ist daher die Devise. »Wir vermuten, dass es bestimmte Zeitintervalle gibt, in denen Resistenzen gegen das jeweilige Medikament typischerweise auftreten. Auf der Basis dieser empirischen Daten kann man mit einem theoretischen Modell erklären, wann ein guter Zeitpunkt wäre, den Cocktail vorsorglich auszutauschen, damit gar nicht erst Resistenzen entstehen.« Wie sich dieser Erklärungsansatz umsetzen lässt, will Stolpe in Kooperation mit dem HIV-Center am Universitätsklinikum Frankfurt/Main herausfinden. Das Frankfurter Zentrum hat bereits seit einigen Jahren eine Klinikpartnerschaft mit der Karabong Klinik im afrikanischen Lesotho. Dort soll nun die Therapie mit Hilfe des ökonomischen Modells geplant und die Konsequenzen überwacht werden. (ne)
Aids bedroht zunehmend Osteuropa und Südostasien
Nach Schätzungen von UNAIDS, dem Aids-Programm der Vereinten Nationen, sind rund 33 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert. Im Jahr 2007 infizierten sich 2,5 Millionen Menschen neu, das sind fünf Menschen in jeder Minute. Rund zwei Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Aids. Besonders betroffen sind die Entwicklungsländer, vor allem die afrikanischen. Südlich der Sahara leben mehr als zwei Drittel aller von HIV betroffenen Menschen. In dieser Region kam es in 2007 zu etwa drei Vierteln aller AIDS-bedingten Todesfälle weltweit.
Mit besonders hohem Tempo steigen aber derzeit die Infektionen in Osteuropa, auch in den osteuropäischen EU-Ländern, sowie in Südostasien. Experten erwarten, dass in wenigen Jahren die Zahl der HIV-Infizierten in Asien weit über der in Afrika liegen wird.
Im Vergleich dazu sehen die deutschen Zahlen besser aus: Bei uns leben etwa 59.000 Menschen mit HIV. Seit Beginn der Epidemie haben sich in Deutschland rund 86.000 Menschen mit dem Virus infiziert, 27.000 Menschen sind an oder mit einer HIV-Infektion gestorben. Ob sie an den Folgen der Infektion gestorben sind oder andere Umstände, etwa ein Herzinfarkt, zum Tod führten, lässt sich aus der Statistik nicht ablesen.
»In Schleswig-Holstein leben zurzeit etwa 1.100 Menschen mit HIV oder Aids, 950 davon sind Männer«, so Professor Peter Rautenberg vom Institut für Infektionsmedizin. Bei etwa der Hälfte der bekannten Infektionswege sei die Infektion auf homosexuelle Kontakte unter Männern zurückzuführen. 2007 gab es 43 neue HIV-Diagnosen in Schleswig-Holstein. (ne)
Mit besonders hohem Tempo steigen aber derzeit die Infektionen in Osteuropa, auch in den osteuropäischen EU-Ländern, sowie in Südostasien. Experten erwarten, dass in wenigen Jahren die Zahl der HIV-Infizierten in Asien weit über der in Afrika liegen wird.
Im Vergleich dazu sehen die deutschen Zahlen besser aus: Bei uns leben etwa 59.000 Menschen mit HIV. Seit Beginn der Epidemie haben sich in Deutschland rund 86.000 Menschen mit dem Virus infiziert, 27.000 Menschen sind an oder mit einer HIV-Infektion gestorben. Ob sie an den Folgen der Infektion gestorben sind oder andere Umstände, etwa ein Herzinfarkt, zum Tod führten, lässt sich aus der Statistik nicht ablesen.
»In Schleswig-Holstein leben zurzeit etwa 1.100 Menschen mit HIV oder Aids, 950 davon sind Männer«, so Professor Peter Rautenberg vom Institut für Infektionsmedizin. Bei etwa der Hälfte der bekannten Infektionswege sei die Infektion auf homosexuelle Kontakte unter Männern zurückzuführen. 2007 gab es 43 neue HIV-Diagnosen in Schleswig-Holstein. (ne)
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