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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 48 vom 31.05.2008, Seite 1  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Spielende Forscher

Das ganze Leben ist ein Spiel. Dieses Motto kann in der Wissenschaft zu bemerkenswerten Erkenntnissen führen.


Verhalf der Spieltheorie zum Durchbruch: John Forbes Nash, hier dargestellt von Russell Crowe in dem Film "A Beautiful Mind". Foto: Picture Alliance

Egal ob es um Eheglück, Wählerstimmen, internationale Beziehungen oder Geschäftserfolg geht: Stets hängt der Erfolg nicht allein von den eigenen Entscheidungen ab, sondern auch von denen der anderen Beteiligten. Diese simple Einsicht bildet die Grundlage der Spieltheorie, die sich in ihren Anfängen tatsächlich an klassischen Gesellschaftsspielen wie Schach, Dame oder Mühle orientierte.

Denn im Spiel wie im ganz normalen Alltag nutzen die klügsten Strategien bisweilen gar nichts, wenn sich das jeweilige Gegenüber nicht so verhält wie erhofft. »Die meisten Menschen wissen das aus Erfahrung und wenden deshalb das Prinzip der Spieltheorie intuitiv an«, erklärt Professor Horst Raff, Mikroökonom am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Kiel.

Über die Intuition hinaus kann die Spieltheorie jedoch eine probate Methode zum Erkenntnisgewinn sein. Möglich ist das laut Raff, weil im wörtlichen Sinn die Mathematik "ins Spiel kommt". Wie sich die anderen möglicherweise verhalten, darüber wird dann nicht nur spekuliert, sondern es wird mit oft äußerst komplizierten Formeln berechnet.

Volkswirt Raff nutzt dieses Instrumentarium, um den internationalen Handel und die Globalisierung besser verstehen zu können. Veranschaulichen lässt sich das Prinzip mit dem "Gefangenendilemma", einem populären Beispiel aus der Spieltheorie: Zwei Männer werden einer Straftat verdächtigt und erhalten das Angebot einer Kronzeugenregelung. Sagt einer aus, bleibt er straffrei und sein Komplize wandert für fünf Jahre ins Gefängnis. Schweigen beide, reicht es aufgrund von Indizien nur zu jeweils zwei Jahren. Gestehen beide, erhöht sich die Strafe auf zweimal vier Jahre. Wohl und Wehe des Einen hängt also entscheidend vom Verhalten des Anderen ab. Die auf den ersten Blick nahe liegende Lösung, das Kronzeugenangebot anzunehmen, kann voll nach hinten losgehen. Nämlich dann, wenn auch der andere aussagt und letztlich beide für vier Jahre hinter Gittern verschwinden. Die beste Lösung wäre also, wenn beide schweigen würden. Doch diese Variante birgt das Risiko des Vertrauensbruchs: Einer der beiden könnte ja doch mit der Justiz kooperieren, um seine eigene Haut zu retten. Unterm Strich tut sich also ein klassisches Dilemma auf, das mit Hilfe der Spieltheorie zwar nicht gelöst, wohl aber perfekt berechnet und beschrieben werden kann.

Für komplexere Situationen verlangt dieses Verfahren nach Angaben von Raff zwar nach »hoher Mathematik« und entsprechend komplizierten Formeln, im Grundsatz läuft die Sache aber auf dasselbe hinaus. Am Ende kommen keine allgemein gültigen Handlungsanleitungen heraus, wohl aber wesentliche Entscheidungshilfen. »Die Spieltheorie zwingt uns, Entscheidungen von hinten her zu überlegen und fördert damit die Disziplinierung des Denkens«, bringt der Wirtschaftswissenschaftler den Effekt auf den Punkt.

Die reinste Spielwiese für derlei Übungen stellt das Internet-Auktionshaus eBay dar, um dessen Erforschung sich besonders der Kölner Volkswirtschaftler Axel Ockenfels verdient gemacht hat. In zahlreichen Experimenten konnte der Professor nachweisen, dass der "Homo oeconimicus" im Wirtschaftsleben mitnichten durchweg rational handelt, sondern auch mal fair, kooperativ oder unvernünftig. Nur mit solchen Faktoren ist zu erklären, dass immer wieder Artikel zu Preisen deutlich über dem Marktwert den Besitzer wechseln. Man will einfach unbedingt gewinnen und lässt sich zu Geboten jenseits jeglicher Vernunft verleiten. (mag)
Ursprung in der Mathematik
Begründet wurde die Spieltheorie von dem Mathematiker John von Neumann und dem Wirtschaftswissenschaftler Oskar Morgenstern. 1944 brachte dieses Duo das bis heute als Standardwerk geltende Buch "Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten" heraus. Zum Durchbruch verhalf der Spieltheorie der Mathematiker John Forbes Nash, der bereits 1950 das so genannte Nash-Gleichgewicht definierte. Gemeint ist damit eine Situation, bei der kein Spieler davon profitieren kann, seine Strategie zu ändern, wenn die anderen Spieler ihre Strategien unverändert lassen. Die Bedeutung dieser Erkenntnis wurde aber erst spät in vollem Umfang erkannt und brachte Nash 1994 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ein. Insgesamt wurden für Arbeiten zur Spieltheorie bisher acht Nobelpreise vergeben. (mag)
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