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unizeit Nr. 48 vom 31.05.2008, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Horizont erweitern

Knaller oder Flopp? Voneinander lernen kann viel helfen, damit ein touristisches Projekt zum Erfolg wird.


Watterkundungen locken Touristen an die Nordsee. Foto: Multimar Wattforum

»ToLearn« heißt ein über die EU gefördertes und unter Federführung des Geographischen Instituts der Universität Kiel betriebenes Projekt, dessen Abschlussbericht am 19. Juni auf Sylt vorgestellt wird. Im Oktober 2006 begannen Wissenschaftler aus fünf Staaten damit, systematisch zu untersuchen, wie Lernprozesse in der Tourismuswirtschaft vonstatten gehen, und entsprechende Optimierungsvorschläge daraus abzuleiten.

Denn dass Optimierung nottut, steht für Professor Götz von Rohr außer Zweifel. Gemeinsam mit zehn Kollegen aus dem eigenen Haus sowie weiteren etwa 20 Forschern aus Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und Belgien untersuchte der Kieler Geograph, auf welche Weise in den Tourismusregionen an der Nordsee innovative Projekte zustande kommen und gelangte dabei zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Oft genug ist purer Zufall im Spiel.

Als typisch könnte folgendes Szenario gelten: Ein Kurdirektor besucht einen Kongress, kommt in der Kaffeepause mit einem Kollegen aus einem anderen Ort ins Gespräch und schnappt von ihm eine Anregung auf, die auch für seinen eigenen Wirkungsbereich von größtem Charme ist.

Wie die Wissenschaftler anhand von 22 Fällen aus den fünf Ländern herausfanden, sind solche persönlichen Zufallsbegegnungen in der Praxis sogar wichtiger als das allumfassende Internet. Messen und Kongresse oder organisatorische Einheiten wie Tourismusverbände stellen ebenfalls wichtige Quellen für Tourismusmacher dar, die nach Vorbildern für eigene Projektideen suchen. Dieses so genannte "Lernen auf Bedarf" funktioniert ohnehin weit besser als das "Lernen auf Vorrat". Hat jemand also bereits ein wenn auch nur vages Ansinnen im Kopf, dann führt das laut Götz von Rohr dazu, dass »die Antennen ausgefahren« werden und Anregungen, die sonst untergegangen wären, enorme Wirkung erlangen.

Ein Beispiel dafür ist das Maritime Umwelt- Erlebnis-Zentrum (MUEZ) in List auf Sylt. Als Initiator Dr. Matthias Strasser 2001 auf die Insel kam, stellte er fest, dass Sylt das zweifellos vorhandene Interesse vieler Besucher an der Natur nur unzulänglich bedienen konnte. So entstand die Idee, ein interaktives Umwelterlebniszentrum zu schaffen, das vor allem Sturmfluten und andere Naturgewalten in den Mittelpunkt rückt. Strasser fuhr seine Antennen aus, gewann mal gezielt, mal auch eher zufällig Anregungen und zog am Ende eine Projektgruppe aus zehn Organisationen auf seine Seite. Mit Erfolg: Der erste Spatenstich für das MUEZ war im September 2007, Eröffnung soll noch dieses Jahr sein.

Aufbauend auf solchen Beispielen hat das Projekt "ToLearn" eine Reihe von Vorschlägen entwickelt, wie die im Grunde alle von denselben Interessen und Bedingungen geprägten touristischen Regionen an der Nordsee besser voneinander lernen können. Dazu könnte ein Netzwerk der Universitäten an der Nordsee, eine feste internationale Nordseemesse oder auch die eine oder andere Bäderpartnerschaft mit gezieltem Austausch unter dem touristischen Aspekt beitragen. Und nicht zuletzt, so fordert von Rohr, müssen auch kleine Badeorte in die Lage versetzt werden, ihre Mitarbeiter regelmäßig auf Messen und Kongresse zu schicken. Auf diese Weise, so hofft der Wissenschaftler, könne es gelingen, »aus der Zufälligkeit herauszukommen und das Ganze ein Stück weit zu systematisieren.« (mag)
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