Alle Register gezogen
Klein, fein und gar nicht gestrig ist die neue Orgel der Uni Kiel. Ihr Schöpfer Gerald Woehl erläutert, warum.

Genau 1176 Pfeifen verleihen der Woehl-Orgel im Bach-Saal des Musikwissenschaftlichen Instituts ihren Klang. Die größte misst 4,80 Meter. Bild 1 (von links): Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer plant das Vorgehen mit einer Mitarbeiterin der Orgelbauwerkstatt. Bild 2: Einbau einer hölzernen Basspfeife in eines der beiden Orgelwerke. Bild 3: Orgelbauer bei der sogenannten "Regulierung". Bild 4: Orgelbaumeister Gerald Woehl überprüft Register an der fast fertigen Orgel. Foto: Jürgen Haacks
Doch das weist der gebürtige Österreicher, der sein Handwerk einst in Frankreich erlernte und schon als Kind aufgrund des Vorbilds seines Orgel und Klavier spielenden Vaters der Faszination von Orgelklängen erlag, weit von sich: »Jede Orgel ist etwas Besonderes, ein Einzelstück. Ob sie in einer großen Kirche oder in einem kleinen Saal steht, spielt keine Rolle.« Besonders an dem Kieler Instrument sind für Woehl »die feinen Stimmen«. »Es ist eine Orgel, die sehr delikat klingt«, schwärmt er. Zudem bietet sie nach seinen Worten ein bemerkenswertes Klangspektrum, weil der Organist je nach Erfordernis zwischen einem klassischen und einem sinfonischen Wind wählen kann. Außerdem stehen immerhin 34 selbstständig zu spielende Register zur Verfügung.
Doch solche technischen Merkmale sind nicht alles in der Kunst des Orgelbaus. So können die Bestandteile der Farbe auf den Orgelpfeifen Einfluss auf den Klang haben und so diesem Begriff sehr wörtliche Bedeutung verleihen.
Und dann gibt es noch den Musiker, der eine erhebliche Rolle spielen kann. »Für uns ist es wichtig, in welcher persönlichen Verfassung wir während der Arbeit sind«, erläutert Woehl. »Wenn wir schlechte Arbeitsbedingungen bei der technischen und klanglichen Ausarbeitung des Instrumentes haben, wirkt sich das auch auf den Klang aus.«
Neu einstellen muss sich der Erbauer einer Orgel jedes Mal auf den jeweiligen Standort des Instruments. Denn schließlich stellt eine Kirchenorgel andere Ansprüche als eine, die in einem musikwissenschaftlichen Institut steht. So erklärt sich das große Klangspektrum der Kieler Orgel, die nicht zuletzt der Lehre dient und möglichst viel von dem, was in der Musik Bedeutung hat, hörbar machen soll.
Auch der Umstand, dass die Orgel begehbar ist, hat mit pädagogischen Absichten zu tun. »Dadurch soll bei den Studierenden ein möglichst tiefes Verständnis für dieses Instrument geweckt werden«, erläutert Woehl. Es sei »einfach etwas anderes, ob eine Orgel nur gehört werden kann, oder ob es möglich ist, tatsächlich und ganz körperlich in ihr Inneres vorzudringen«. Unter dem Aspekt der Vielseitigkeit zu sehen sind dagegen Extras wie die Schnittstellen für Computer und Synthesizer.
Damit ist das Instrument besonders auch für experimentelle Musik geeignet. Seinem Ruf, ein echter Individualist unter den Instrumentenbauern zu sein, ist Woehl auch in Kiel gerecht geworden. Und in dieser Hinsicht macht er keine Kompromisse: »Ich möchte gewährleisten, dass ich bei allen Neubauten oder Restaurierungen persönlich dabei bin. Mit zehn Mitarbeitern halte ich meinen Betrieb bewusst so klein, dass ich in allen wichtigen Angelegenheiten mitten im Geschehen sein kann.«
Das hat auf der anderen Seite den Nachteil, dass die in Marburg an der Lahn ansässige Werkstatt kaum in der Lage ist, spontan Aufträge zu übernehmen. Ohne jegliche Akquise betragen die Lieferzeiten auch so schon vier bis fünf Jahre.
Martin Geist
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