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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 49 vom 19.07.2008, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

»Ich habe schon immer gern Verantwortung übernommen«

Mit Professor Gerhard Fouquet steht erstmals ein Präsident an der Spitze der Uni Kiel. Im unizeit-Interview spricht er über seine Ziele und Motive.


Der letzte Rektor der CAU, Professor Thomas Bauer (rechts), übergibt die Amtskette an den neuen Präsidenten. Professor Gerhard Fouquet hat das Amt am 1. Juni für sechs Jahre übernommen. Foto: Michael August

unizeit: Nicht mehr Rektoren, sondern Präsidenten leiten neuerdings schleswig-holsteinische Universitäten. So steht es im neuen Hochschulgesetz, das den Präsidenten zugleich deutlich mehr Befugnisse einräumt. Reizt Sie dieses Mehr an Macht?

Gerhard Fouquet: Macht ist nicht mein Thema. Ich habe vielmehr schon immer gern Verantwortung übernommen. Das begann in der kirchlichen Jugendarbeit und setzte sich in der Universität fort, wo ich erst Dekan der Philosophischen Fakultät und von 2005 an Prorektor war. Doch ich räume gerne ein, dass auch ein Stück Lust am Gestalten dazu kommt.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie gestalten können, wie Sie gerne wollen?

Nur bedingt, weil unsere Universität im Moment einfach nicht gut ausfinanziert ist. Und die Basis schlechthin ist nun einmal das Geld. Mein erstes Anliegen ist es deshalb, in den neuen mit dem Land abzuschließenden Zielvereinbarungen für 2009 bis 2013 eine Ausfinanzierung der Hochschule zu erreichen. Wissenschaftsminister Austermann hatte eine Erhöhung der Mittel um fünf Prozent signalisiert. Das wäre immer noch nicht toll, aber es würde uns immerhin in die Lage versetzen, bei den Professuren und den Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter die unsäglichen Wiederbesetzungssperren von zwei bis fünf Monaten abzuschaffen. Bei der Haushaltsklausur des Kabinetts am 8. Juli hat sich ja offenbar einiges in die richtige Richtung bewegt.

Welche weiteren Ziele haben Sie sich gesetzt?

Für ganz wichtig halte ich die Weiterentwicklung unserer Hochschule zu einer Universität verbundener wissenschaftlicher Kulturen. Wir müssen die einzelnen Fachdisziplinen noch mehr stärken und zugleich bündeln. Im Moment haben wir zwei Exzellenzcluster und neuerdings die Graduiertenschule, in der das geschieht. Es gibt aber weitere Potenziale. So hat die Oberflächenforschung, in der Physik, Chemie und Materialwissenschaften zusammenwirken, absolut das Zeug zu einem weiteren Exzellenzcluster. Dieser Bereich ist hochinnovativ und ungeheuer interdisziplinär. Auf einer anderen Ebene ist es genauso möglich und nötig, die Sonderforschungsbereiche und Fakultätsschwerpunkte weiter zu fördern. Das spielt selbstverständlich bis tief in die Lehre hinein, die einen noch stärkeren interdisziplinären Charakter bekommen muss. Vorbilder wären etwa die Meereskunde oder das Ökologiezentrum, wo das bereits sehr erfolgreich umgesetzt wird.

Ein Spezialfall im Angebot der Uni ist die Medizin, die auf die Standorte Kiel und Lübeck verteilt ist. Können Sie mit dieser Struktur leben?

Wir müssen es wohl. Aber das funktioniert nur, wenn wir eine grundlegende Klärung der Kompetenzen und Zuständigkeiten erreichen und glasklare Absprachen treffen.

Apropos Absprachen. Klappt es damit bezogen auf die gesamte Universität so, wie Sie es sich vorstellen?

Wir sind da gewiss nicht schlecht, aber wir können auch noch besser werden. Schon deshalb, weil es neue Akteure wie den Hochschulrat gibt, der natürlich in die interne Kommunikation mit einbezogen werden muss. Außerdem ist es meine tiefe Überzeugung, dass wir die Studierenden in allen Fragen des Studiums und der Lehre noch stärker als Partner begreifen müssen. Universität ist eine zutiefst demokratische Veranstaltung, und in dieser Hinsicht hat sie noch ihre Defizite. Das gilt zum Beispiel auch für die Frage der Gleichstellung. Nur 8,9 Prozent unserer Professuren sind von Frauen besetzt. Da müssen wir einfach besser werden.

Muss es auch mit dem »Wohlfühlwert« der Universität noch besser werden?

Gerade hier haben wir allerhand vorzuweisen. Der Hochschulsport, das Segelzentrum und ein Fitnesszentrum mitten auf dem Campus sind Einrichtungen, die in ganz Deutschland keine Konkurrenz scheuen müssen. Sehr respektabel ist außerdem das Angebot an Theater, Musik und Museen. Trotzdem können diese weichen Standortfaktoren weiterentwickelt werden. Das entspricht nebenbei bemerkt auch meinem Verständnis von Bildung in einem ganz umfassenden Sinn.

Das Interview führte Martin Geist
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