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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 49 vom 19.07.2008, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Nachwachsende Medizin

Heilpflanzen sind nicht nur für Ärzte und Pharmazeuten interessant, sondern auch für Landwirte. Ein deutsch-dänisches Forschungsprojekt untersucht die Potenziale der Nischenkultur.


Renaissance einer alten Kulturpflanze: Buchweizen – hier in voller Blüte – ist eine interessante Arzneipflanze. Foto: Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung

Die Nachfrage nach Kräutern und Heilpflanzen ist groß. »Die Tee- und Kräuterwelle sorgt dafür, dass bestimmte Arten vor allem in einigen osteuropäischen Staaten gnadenlos übersammelt werden. Viele Pflanzen stehen kurz vor der Ausrottung«, berichtet Dr. Ralf Loges vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. Gleichzeitig bietet der Kräuteranbau vor allem für ökologisch wirtschaftende Landwirte eine interessante Einnahmequelle. »Wir können zwar nicht mit handgepflückten Billigimporten aus Ostasien konkurrieren«, bekennt der Experte für ökologischen Landbau. »Aber durch die amtlich zertifizierte Unbedenklichkeit der Produkte sind wir eine Nasenlänge voraus.« Da der Ökolandbau keine künstlichen Pflanzenschutzmittel einsetzte und die Betriebe jährlich kontrolliert werden, müssen Weiterverarbeiter die geforderte Rückstandsfreiheit der Rohstoffe nicht extra nachweisen.

Vor diesem Hintergrund startete 2005 das deutsch-dänische Gemeinschaftsprojekt ›Plants for Health‹. Hierbei sollen neue Produkte auf Pflanzenbasis entwickelt werden, die sich zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes Typ 2 (Alterszucker) eignen. Das Forschungsvorhaben wird im Rahmen des Interreg-IIIa-Programms der Europäischen Union in der K.E.R.N.-Region in Schleswig- Holstein und auf der Insel Fünen in Süddänemark durchgeführt. Projektpartner sind drei Institute an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU sowie Institute der dänischen Universitäten in Odense und Århus. Sprecher der deutschen Partner im Projekt ist Professor Siegfried Wolffram, Direktor des Instituts für Tierernährung und Stoffwechselphysiologie.

In der ersten Phase haben die Wissenschaftler Pflanzenarten mit entsprechender Wirkung ausgewählt und auf den Flächen der Universität Universität Århus sowie des ökologisch wirtschaftenden Versuchsbetriebes Lindhof der Kieler Uni angebaut. Von den Pflanzen werden in unterschiedlichen Entwicklungsstadien Proben entnommen. Lebensmitteltechnologen extrahieren daraus die relevanten Inhaltsstoffe. Lebensmittelwissenschaftler und Ernährungsphysiologen untersuchen die Pflanzenextrakte hinsichtlich Bioverfügbarkeit und etwaiger toxikologischer Effekte.

Von den anfangs 14 angebauten Pflanzenarten sind fünf übrig geblieben, die nach Auswertung der Labortests für den Anbau interessant sein könnten, das sind: Buchweizen, Salbei, Bohnenkraut und Echinacea (Sonnenhut) sowie Holunder. Diese Pflanzen werden hinsichtlich Weiterverarbeitung und Konservierung genauer untersucht. »Außerdem versuchen wir, den Anbau zu optimieren «, so Loges. »Dabei geht es darum, den Ertrag zu erhöhen und gleichzeitig einen hohen Gehalt an ausbeutbaren Inhaltsstoffen zu erzielen.« Wichtige Faktoren für Wirkstoffgehalt und Ertrag sind Sorte und Herkunft, Pflanzabstand, Pflanzenalter, Art der Ernte, Erntezeitpunkt, Stickstoffdüngung und Standort. Viele Fragen sind noch offen, zum Beispiel in welchem Pflanzenteil der höchste Wirkstoffgehalt ist. »Beim Buchweizen würden wir am liebsten die Körner mit dem Mähdrescher ernten, um daraus Mehl und Grütze zu machen. Allerdings sind die Gehalte in den obersten Blättern der Pflanze viel höher als im Korn«, berichtet Loges, der die Feldversuche auf dem Lindhof leitet. Diese sind jedoch schwieriger zu ernten und in dieser Form auch nicht zum Verzehr geeignet. Aus den Ergebnissen erstellen die Wissenschaftler am Schluss des Projektes Anbauanleitungen für die Landwirte.

Kerstin Nees
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