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Künstliche Zahnwurzel einpflanzen oder Zahnersatz ankleben: Die moderne Zahnmedizin bietet neue Techniken, um verlorene Zähne zu ersetzen.

Übung macht den Meister. An diesem Zahnphantomkopf trainieren angehende Zahnärzte in der Kieler Universitätsklinik. Foto: Roswitha Ketelsen
Eine komfortable, aber auch kostspielige Variante ist der implantatgetragene Zahnersatz. Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, meist aus Titan, die in den Kieferknochen eingepflanzt werden. Sie verbinden sich innerhalb von drei bis sechs Monaten mit dem umgebenden Knochen zu einer festen und belastungsfähigen Trägereinheit. Auf ihnen kann der Zahnarzt festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnersatz verankern. Der große Vorteil von Implantaten ist, dass sich damit einzelne Lücken schließen lassen, ohne dass gesunde Zähne an den Seiten durch Abschleifen beschädigt werden müssen. »Wenn allerdings die Nachbarzähne sowieso eine Krone brauchen, dann ist es in der Regel nicht sinnvoll, ein Implantat zu setzen«, erklärt Professor Matthias Kern, der die Kieler Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde leitet. In diesen Fällen würde Kern eine herkömmliche Brücke empfehlen, die auf den Nachbarzähnen zementiert wird. Entscheidende Voraussetzung für ein Implantat ist, dass genügend Knochen vorhanden ist. Das verteuert die Behandlung zusätzlich. Ein Einzelzahnimplantat mit Krone kostet zwischen 2.300 und 2.700 Euro. Der Knochenaufbau ist dabei noch nicht enthalten. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Brückenkonstruktion mit Keramik schlägt mit etwa 1.500 Euro zu Buche. In beiden Fällen zahlt die Kasse nur einen Pauschalbetrag von maximal rund 525 Euro. Ausnahmen gibt es für Menschen mit sehr geringem Einkommen. Sie können bei der Krankenkasse einen höheren Zuschuss beantragen.
Eine weitere, weniger stark beworbene Innovation der Zahnmedizin sind so genannte Adhäsiv- oder Klebebrücken. Hierbei wird der Zahnersatz mittels eines kleinen Flügels auf der Rückseite eines Nachbarzahnes geklebt. Die vorhandene Zahnsubstanz wird dabei geschont und dem Patient bleibt der Bohrer meist erspart. Es können damit sowohl fehlende Schneidezähne ersetzt werden, als auch Backenzähne. Die Klebetechnik eignet sich übrigens auch, um mehrere nebeneinander fehlende Frontzähne im Unterkiefer zu ersetzen und kann – im Gegensatz zum Implantat – schon bei jugendlichen Patienten angewandt werden. Wichtig ist, dass die Pfeilerzähne einen gesunden Zahnschmelz haben und möglichst frei von Füllungen sind. An der Kieler Zahnklinik wird das Verfahren seit elf Jahren erfolgreich angewendet. Aus der Erprobungsphase ist es mittlerweile heraus. »Die Adhäsivtechnik gilt als wissenschaftlich bewährt«, so Kern, der als erster Vizepräsident die Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde vertritt. Die beste Haltbarkeit haben nach seiner Erfahrung Brücken im Frontzahnbereich, die nur an einem Nachbarzahn befestigt sind. Sie halten ähnlich lange wie herkömmliche Brücken und können sogar schon bei Kindern angewendet werden. Bei ihnen könnte das Verbinden mehrerer Zähne durch eine Brücke das Kieferwachstum negativ beeinflussen. Voraussetzung ist, dass der Zahnarzt die fehleranfällige Klebetechnik beherrscht. Im Grunde ist die Adhäsivtechnik weniger aufwändig, als konventionelle Verfahren. Die Behandlung muss sehr präzise erfolgen. Der entscheidende Schritt ist das Ankleben. Hierbei dürfen weder Speichel noch Blut an den Zahn kommen.
Am 13. Oktober hält Matthias Kern im GKSS Forschungszentrum Geesthacht einen Vortrag zum Thema ›Feste Zähne – Was bietet die Zahnmedizin ohne und mit Implantaten?‹ Veranstalter ist die Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft.
Kerstin Nees
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