Die heiligste aller Zahlen
50 mal unizeit. Das legt die Frage nahe, was die Zahl 50 eigentlich der Wissenschaft zu sagen hat.

Die Summe aus den Quadraten der Hypotenuse und der Katheden ergibt fünfzig. Grafik: pur.pur
Doch ist an dieser Zahl mehr dran, als dass sie eben schön rund anmutet und die Hälfte der noch runderen 100 ist? Zumindest in der Alltagsbedeutung wohl kaum, meint Volkskundler Professor Hermann Heidrich. Mit mythologieschwangeren Zahlen wie der 7 oder der 12 könne die 50 jedenfalls schwerlich mithalten. Das ist zwar zweifellos richtig, heißt aber nicht, dass nicht trotzdem ein bisschen mehr dahintersteckt. Die oft freud-, zumindest aber immer bedeutungsvolle Seite der 50 lässt sich schließlich bis in die griechische Mythologie zurückverfolgen. Von den Ur-Riesen Hekantocheires und Centimanes heißt es, sie hatten fünfzig Köpfe. Gleich eine ganze Reihe von Gottheiten und Königen der alten Griechen soll zudem 50 Kinder gehabt haben.
Munter weiter geht es im Judentum, in dem 50 Tage zwischen dem Passahfest und Schawuot, dem Erntedankfest, liegen. Die Christen wollen dem nicht nachstehen und feiern ihrerseits regelmäßig 50 Tage nach Ostern das Pfingstfest. Der hübsche alttestamentarische Brauch, alle 50 Jahre ein Jubeljahr auszurufen und allseits die Schulden zu erlassen, ist jedoch wohl zum Leidwesen so manches neuzeitlichen Finanz-Hasardeurs aus der Mode gekommen.
Der jüdische Religionsphilosoph Philo von Alexandrien, gestorben wohl im Jahr 50 (!) nach Christus, gerät in seiner ›Vita Contemplativa‹ sogar richtiggehend ins Schwärmen über die Zahl 50: »Sie ist die heiligste und der Natur am meisten entsprechende Zahl, da sie aus der Potenz des rechtwinkligen Dreiecks gebildet wurde, welches der Anfang für die Entstehung ist. 32+42+52 = 50. Dieses rechtwinkelige Dreieck ist ein wahres Symbol des Kosmos; die Summe der Katheten 3+4=7 ergibt die Zahl der Planeten, zählt man die Hypotenuse hinzu, 7+5=12, kommt man zur Zahl der Tierkreiszeichen, die Potenz ergibt, wie schon gezeigt, die Zahl 50.«
Auch wenn nicht jeder im rechtwinkligen Dreieck ein Symbol des Kosmos zu erkennen vermag und sich die Zahl der Planeten seit der Zeit des zitierten Philosophen auf neun – beziehungsweise nach der jüngsten Rückstufung von Pluto zum Zwergplaneten nur noch acht – erhöht hat, gebührt Philo von Alexandrien zweifellos diese eine Ehre: Niemand hat der 50 schöner gehuldigt als er.
Martin Geist
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