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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 50 vom 25.10.2008, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Krach ohne Knall

Mediatoren lösen Konflikte, bevor die Beziehung zwischen zwei Menschen an ihnen zerbricht. Die nötigen Techniken vermittelt eine Weiterbildung.


Einseitige Schuldzuweisungen verschärfen den Streit. Ein neutraler und geschulter Vermittler kann schlichten.
Foto: Picture Alliance

Zum täglichen Leben gehören Auseinandersetzungen. Sie machen das Leben spannend. Scheinen sie dauerhaft unlösbar, verursachen sie allerdings eher Magenbeschwerden und am Ende womöglich noch hohe Kosten – wenn ein Streit schließlich vor Gericht endet. Dann bleiben meist nur verbrannte Erde und für den unterlegenen Streithahn die Kosten.

Dass es so weit gar nicht erst kommen muss, dafür sorgen Mediatoren. Als neutrale Dritte vermitteln sie in fast allen Konfliktsituationen des Alltagslebens: bei Kollegen, die sich mobben, bei Nachbarn, die sich über den Wuchs des Knallerbsenstrauchs am Gartenzaun in die Haare geraten sind, oder bei getrennten Eheleuten, die sich vor den Augen der Kinder einen Rosenkrieg liefern.

Um festgefahrene Situationen zu entwirren, braucht es Geduld, Aufmerksamkeit und kommu­nikative Techniken, die ab Januar das berufsbegleitende Weiterbildungs­studium »Mediation« im Rahmen von »Advanced Studies« in Kiel vermittelt. ›Advanced Studies‹ bietet berufsfeldorientierte Spezialqualifikationen von Coaching bis Organisationsberatung. Der Kurs Mediation richtet sich an alle, »die beruflich mit Konflikten zu tun haben und ihre Kompetenzen in Sachen Konfliktbewältigung erweitern möchten – seien es Psychologen, Pädagogen, Theologen, Juristen oder Führungskräfte«, sagt Oberstudienrätin und Diplom-Pädagogin Cornelia Rottmann, die den anderthalbjährigen Kurs leitet.

»Gelingen kann die Mediation nur, wenn alle Konfliktparteien anwesend und an einer Lösung interessiert sind«, erläutert Rottmann. Aber selbst wenn eine der Parteien zu Beginn der Mediation nur widerstrebend dabei sei, lasse sie sich im weiteren Verlauf oft vom Verfahren der Mediation überzeugen. Damit zu einem späteren Zeitpunkt wieder ein konstruktives Gespräch zwischen den Konfliktparteien entstehen kann, bekommen sie zunächst nacheinander die Gelegenheit, die eigene Sicht ausführlich darzustellen. Der Mediator moderiert den Prozess und dient als Klärungshelfer. Er schenkt allen beteiligten Parteien gleichermaßen Aufmerksamkeit und Akzeptanz, ohne sich mit einer Seite zu verbrüdern, denn »dann hat man zumeist die andere Partei verloren«, sagt Rottmann.

Klingt logisch, dennoch tappe der gutwillige, aber unausgebildete Konfliktvermittler häufig in die Falle der Parteilichkeit, erklärt Rottmann. Deshalb erlernen die Kursteilnehmer eine allparteiliche, wertschätzende, aber nicht wertende Haltung, und sie trainieren Techniken, mit denen sie vermittelnd einschreiten können. Zudem sollen die künftigen

Mediatoren sich bewusst damit auseinandersetzen, wie sie mit eigenen Problemen umgehen. Damit ist keine peinliche Nabelschau gemeint, in der ungelöste Konflikte der Kindheit therapiert werden sollen: »Die Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens hilft dem Mediator, eine professionelle Distanz zu dem oft turbulenten aktuellen Konfliktgeschehen zu wahren«. Im letzten Teil der Weiterbildung werden die Teilnehmer als Mediatoren in der Praxis aktiv – begleitet von den Ausbildern.

Jana E. Seidel

Informationsveranstaltung:
4. November, 18-20:30 Uhr, Olshausenstraße 75
Advanced Studies c/o Institut für Pädagogik, Olshausenstraße 75
Tel. 0431/880-1225, www.as.uni-kiel.de
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