Ernst Steinitz
Der Mathematiker Steinitz verfasste grundlegende Arbeiten zur Algebra. In Kiel lehrte er von 1920 bis 1928.

Ernst Steinitz
Die Algebra ist eines der grundlegenden Teilgebiete der Mathematik, das sich der Struktur, der Relation und der Menge widmet. Die Inhalte und Methoden der Algebra haben sich im Laufe der Geschichte stark erweitert. Aus der Schule kennt man als Algebra vor allem das Rechnen mit Unbekannten in Gleichungen.
In Kiel hat der Mathematiker ein knappes Jahrzehnt gewirkt. Das Mathematische Seminar erinnert mit der Bezeichnung Steinitz-Hörsaal für sein großes Auditorium an einen Gelehrten, »dessen einflussreiches Werk ihn ohne Zweifel in die erste Reihe der Mathematiker des frühen 20. Jahrhunderts stellt«, so der Kieler Mathematikprofessor Karsten Johnsen.
Steinitz entstammte einer weit verzweigten jüdischen Familie aus Oberschlesien (heute Polen). Er kam am 13. Juni 1871 in Laurahütte, nördlich von Kattowitz, zur Welt. Nach dem Abitur 1890 studierte er in Breslau und Berlin Mathematik. Eine von der Breslauer Universität ausgeschriebene Preisaufgabe, die er als Erster löste, bescherte ihm 200 Reichsmark und das Recht auf eine gebührenfreie Promotion, die er 1894 abschloss. Anschließend ging er wieder nach Berlin und habilitierte sich 1897 an der Technischen Hochschule Berlin- Charlottenburg für Mathematik. Er wurde Mitglied der 1890 gegründeten Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Von 1989 an war er in Berlin Privatdozent für Mathematik und ab 1901 auch für Darstellende Geometrie.

Auf dem jüdischen Friedhof in Breslau-Cosel ist Steinitz begraben. Der Verein HATiKVA aus Dresden bemüht sich, den Friedhof und das Grab zu erhalten.
Foto: www.hatikva.de
Zusammen mit Frau und Sohn wohnte er zunächst am Düsternbrooker Weg und dann in der Feldstraße. In seinen Vorlesungen behandelte er nicht nur seine wissenschaftlichen Arbeitsgebiete Algebra und Polyedertheorie, sondern auch viele andere mathematische Gebiete.
Am 29. September 1928 starb Ernst Steinitz an einer Herzklappenentzündung. Die Urne wurde auf dem jüdischen Friedhof in Breslau beigesetzt. Seine Witwe, die nach seinem Tod wieder nach Breslau gezogen war, ging zu Beginn der Nazizeit mit ihrem Sohn nach Palästina, konnte dort aber nicht heimisch werden und kehrte nach Breslau zurück. Sie erlitt das grausame Schicksal der europäischen Juden: Zunächst wurde sie nach Theresienstadt deportiert und 1942 in Treblinka umgebracht. Der Sohn blieb in Palästina, starb aber bereits 1948.
Kerstin Nees
Zum Weiterlesen: Karsten Johnsen: Ernst Steinitz (1871–1928).
In: Christiana Albertina 2007 (64). S. 51–58
Musikalisches Talent
Ernst Steinitz war nicht nur ein herausragender Mathematiker, sondern er besaß auch außergewöhnliche musikalische Fähigkeiten. Seine Eltern ließen ihn 13 Jahre lang das schlesische Konservatorium für Musik besuchen, an dem er praktischen und theoretischen Unterricht im Klavierspiel erhielt. Er schrieb mehrere Klaviersonaten und mit 17 Jahren ein Klaviertrio. Es wird berichtet, dass er Klaviersonaten von Beethoven auswendig spielen konnte. Bei einem Symphoniekonzert in Kiel soll er sogar spontan für den verhinderten Solisten eingesprungen sein und ein Klavierkonzert von Robert Schumann gespielt haben.
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