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unizeit Nr. 50 vom 25.10.2008, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Cluster macht Schule

Wenn sich die schlauesten jungen Köpfe zusammentun, entsteht eine Keim­zelle der Exzellenz.


Agnes Heinemann schreibt ihre Doktorarbeit in Biologie. Dass ihr dabei eine Arbeitsgruppe, in der auch Juristen, Chemiker und Ökonomen mitwirken, wertvolle Erkenntnisse liefern kann, hätte sich die 27Jährige zuerst nicht vorstellen können. Kennen gelernt haben sich die jungen Wissenschaftler bei einem so genannten Retreat. Diese "Klausur" ist ein Rückzug aus dem Arbeitsalltag speziell für Doktoranden. Das halbjähriche Treffen fern ab von Büro, Labor oder Doktorvater wird von der Integrated School of Ocean Sciences (ISOS) organisiert. Die Einrichtung des Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" an der Kieler Universität, bringt die Doktoranden interdisziplinär zusammen und begleitet sie auf ihrem Weg zu exzellenten Wissenschaftlern.

Die Treffen finden immer unter einem bestimmten Motto statt, Themen, die im Alltag neben der Forschungsarbeit selten zur Sprache kommen, für die Arbeitswelt jedoch von großer Bedeutung sind, wie beispielsweise die Kommunikation. »Es wird immer wichtiger, dass Wissenschaftler ihren Kollegen, potenziellen Arbeitgebern und der Öffentlichkeit verständlich mitteilen können, was sie in ihrem Fach eigentlich machen«, so die Leiterin der ISOS, Dr. Avan Antia. Ebenso stehen Kompetenzen wie Zeitmanagement, Zieldefinition und das Schreiben von Anträgen auf dem Programm. Speziell für die Doktoranden entwickelte Kurse zum Thema "Ozean der Zukunft" geben den Nachwuchswissenschaftlern über ihre Fachdisziplin hinaus einen breiten Überblick. »Schließlich«, so Antia, »sollte der einzelne Doktorand einen messbaren Vorteil durch das Programm haben, der ihm einen Vorsprung in der Berufswelt verschafft.«

Bei ihrer Gründung vor etwa einem Jahr rechnete die ISOS mit 30 Doktoranden, inzwischen sind es mehr als doppelt so viele aus fünf Fakultäten – und es werden jede Woche mehr. Es gibt nur wenige Regeln für die Teilnahme am Programm, vielmehr lebt das Projekt von der aktiven Beteiligung der Doktoranden und der Mitglieder des Exzellenzclusters. »Es spricht sich herum, wie wir die Promotionszeit bereichern und helfen, sie strukturiert zu gestalten. Dabei sind wir keinesfalls eine Kontrollinstanz. Unsere Ideen und Vorschläge, wie man die Jahre der Promotion für alle fruchtbar gestalten kann, bringen wir nur dann ein, wenn das erwünscht ist«, erklärt Antia eine Grundlage der freiwilligen Graduiertenschule.

Für Physiologieprofessor Markus Bleich, Sprecher der ISOS, sind die bisherigen Erfahrungen zukunftsweisend: »Wir haben das Potenzial, aus der thematisch definierten Graduiertenschule ISOS ein Konzept für die Graduiertenbildung der gesamten Universität aufzubauen. Ein einzelner Professor kann keinen Kurs speziell für seine drei Doktoranden anbieten, aber wenn wir die vielen Doktoranden der Uni zusammenbringen, profitieren alle von der Vernetzung.«

Julia Zahlten
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