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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 50 vom 25.10.2008, Seite 9  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Über Düngen

Schleswig-Holsteins Landwirte haben ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht. Mit der derzeitigen Düngepraxis lassen sich die EU-Vorgaben zum Gewässerschutz schwerlich einhalten.


Mit Schleppschläuchen wird die Gülle optimal in den Pflanzenbeständen platziert und der Gestank minimiert.

Wenn Landwirte zum jetzigen Zeitpunkt Gülle auf ihre Felder ausbringen, hat das aus pflanzenbaulicher Sicht wenig Sinn. Die Pflanzen können den Güllestickstoff im Herbst nur noch zu einem sehr geringen Anteil verwerten. Der Rest versickert und landet als Nitrat unter anderem im Grundwasser. Dort ist der Pflanzennährstoff genauso wie im Oberflächengewässer gänzlich unerwünscht. In Schleswig-Holstein zum Beispiel wird das Trinkwasser zum größten Teil aus Grundwasser gewonnen. Um den Nitratgrenzwert im Trinkwasser einzuhalten, muss es entweder mit weniger verunreinigtem Grundwasser verdünnt werden oder das Nitrat muss entfernt werden – ein teures und energieaufwändiges Unterfangen.

In Nord- und Ostsee bringt der übermäßige Nährstoffeintrag das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Aus Sicht des Gewässerschutzes und der effizienten Gülleverwertung wäre es daher sinnvoll, nur dann die Gülle auszubringen, wenn die Pflanzen den organischen Dünger auch optimal nutzen können. »Das ist vor allem zwischen Februar und Mai der Fall«, erläutert Professor Friedhelm Taube vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung.

Tatsache ist jedoch, dass Landwirte im Rahmen der gesetzlich erlaubten Fristen noch bis zum Spätherbst das ›braune Gold‹ auf die Felder bringen. »Mit platzierter Düngung entsprechend dem Bedarf der Pflanze hat das aber wenig zu tun«, so Taube, »das ist häufig eine reine Entsorgungsmaßnahme, wenn Lagerkapazitäten fehlen.«

Das Problem der Überdüngung mit Gülle und auch mineralischem Stickstoffdünger ist bereits lange bekannt, doch zum Besseren hat sich bisher zu wenig gewendet. Eher im Gegenteil: Mit den Gärresten aus 140 Biogasanlagen in Schleswig-Holstein und zusätzlichen 40.000 Hektar Maisanbau verschärft sich die Situation noch. Aber der Druck, das Problem endlich konsequent anzugehen, wächst. Mit der im Jahr 2000 in Kraft getretenen europäischen Wasserrahmen­richtlinie verpflichten sich die EU-Länder, natürliche Oberflächengewässer und Grundwasser in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. Ein zentraler Bestandteil ist das Verschlechterungsverbot. Die einzelnen Länder müssen gegenüber der EU dokumentieren, dass sich die Gewässergüte bis 2015 nicht verschlechtert. Für Deutschland bedeutet das in erster Linie, die Stickstofffracht der Gewässer muss reduziert werden. Und hier sind vor allem die Landwirte gefordert. Sie müssen noch mehr als bisher den Stickstoffdünger bedarfsgerecht einsetzen. Denn je besser die Düngung dem Bedarf der Pflanze angepasst ist, umso geringer sind die Nährstoffausträge über das Sickerwasser.

Wie die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein im Hinblick auf den Gewässerschutz derzeit da steht, hat das Forschungsprojekt COMPASS an insgesamt 32 Betrieben untersucht. Mit finanzieller Unterstützung des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, des EU Interreg-Programms und der Landwirtschaftlichen Rentenbank haben Mitarbeiter von drei agrarwissenschaftlichen Instituten der CAU die landwirtschaftliche Praxis in Schleswig-Holstein unter die Lupe genommen. 16 konventionellen Betrieben wurden hierfür 16 vergleichbare ökologisch wirtschaftende Nachbarbetriebe gegenübergestellt. »Dabei haben wir Top-Betriebe aus den Bereichen Ackerbau und Milchvieh-Futterbau ausgewählt, die als Maß für den mittleren Ertrag in zehn Jahren dienen sollen«, erklärt Taube, der zusammen mit Professor Joseph-Alexander Verreet vom Institut für Phytopathologie die Studie initiiert hat.

Die Auswertung ergab unter anderem, dass vor allem in den konventionellen Betrieben zu viel Stickstoffdünger ungenutzt verloren geht. »Viele Betriebe düngen oberhalb der empfohlenen Richtwerte«, so Taube. »Das ist nicht nur schlecht für die Gewässerqualität, es ist auch nicht effizient.« Vielmehr zeigte sich, dass die Betriebe mit den höchsten Erträgen gleichzeitig auch die besten Stickstoffbilanzen hatten. Gut ist die Bilanz, wenn vom ausgebrachten Stickstoff der größte Anteil im Ernteprodukt steckt. Ab 2009 dürfen pro Hektar maximal 60 Kilogramm Stickstoff im Boden verbleiben. Von den untersuchten Betrieben blieben nur drei konventionelle Betriebe unter dieser Grenze.

Aber auch im Ökolandbau gibt es ein Problem mit der Überdüngung. Zwei Betriebe überschritten die 60-kg-Grenze. Beide Betriebe bauten Futtermais nach Kleegras an. Taube: »Kleegras bindet Stickstoff. Es ist damit schon viel Stickstoff im Boden. Obendrauf haben sie noch Mist gedüngt, also noch eine Stickstoffquelle dazu. Das konnte der Mais nicht alles aufnehmen.« Das war auch für die betreffenden Betriebsleiter eine neue Erkenntnis, wie Taube betonte. Sie zogen daraus die Konsequenz, dass Kleegras als Vorfrucht zur Stickstoffversorgung des Maisanbaus komplett ausreicht. Eine zusätzliche organische Düngung ist nicht nötig.

»Dieses Beispiel zeigt, dass man nicht sagen kann, die Ökobetriebe sind die Guten und die konventionellen Landwirte sind die Schlechten«, so Taube. »Es gab in beiden Systemen herausragende Vertreter und andere mit einem erheblichen Verbesserungspotenzial.«

Kerstin Nees

Zum Weiterlesen:
Friedhelm Taube, Michael Kelm, Joseph-Alexander Verreet (Hrsg.): Wissen, wo man steht. Ergebnisse des Projektes Compass. Kiel, 2007. Ausgezeichnet mit dem Nachhaltigkeitspreis des Landes Schleswig-Holstein 2007. www.uni-kiel.de/compass
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