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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 50 vom 25.10.2008, Seite 9  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Splitter: Liebesschwur im Hörsaal

»Entschuldige, hier ist schon besetzt!« – Kein Problem, dann setzt man sich eben eine Reihe weiter nach hinten. Eigentlich klingen diese Worte in einem Hörsaal sehr alltäglich. Sie lassen eine Lehrveranstaltung aber immer dann zum Erlebnis werden, wenn nicht für irgendwen besetzt ist, sondern für die geliebte bessere Hälfte.

Dass die Schultern und Köpfe zweier Personen anschließend für anderthalb Stunden geradezu siamesisch zusammengewachsen zu sein scheinen, ist allemal interessant zu beobachten und irgendwie auch putzig. Sobald die übliche Geräuschkulisse angeregten Smalltalk-Geflüsters aber regelmäßig von halblaut dahin gehauchten Liebesschwüren und hörbarem Geknabber an allen freiliegenden Körperteilen des Partners unterbrochen wird, kommt aber doch die Frage hoch, ob man selbst oder das turtelnde Paar fehl am Platze ist. Ging es hier nicht eigentlich um Quantenmechanik? In der guten alten Zeit war das sicher anders.

Dass Humboldt einst davon gesprochen hat, die für das Studium nötige Freiheit des Geistes sei nur durch Einsamkeit möglich, haben all die Hörsaal-Casanovas anscheinend nicht mitbekommen. Zugegebenermaßen gab es damals auch keine Frauen an den Unis. Da sagt sich so etwas leichter. Aber dafür scheint es heutzutage mitunter, als gäbe es das andere Geschlecht nur dort.

So ist es nicht nur die Körperlichkeit, in der die Liebenden ihre Verbundenheit deutlich machen, sondern auch die Aktivitäten außerhalb der Vorlesungen müssen gemeinsam bestritten werden. Dazu werden Plätze für Praktika, Exkursionen und Mitarbeit an Referatsthemen grundsätzlich nur zu zweit angenommen – ungeachtet der Tatsache, dass sie dann auch doppelt so schnell vergeben sind. Derartige Verhaltensweisen werfen unwillkürlich die Frage auf, ob all die Unipärchen tatsächlich keine Freizeit haben, die sie miteinander verbringen können. Oder haben sie da etwa Besseres zu tun?

So oder so, es scheint, als seien die Hörsäle zu Horten trautester Zweisamkeit mutiert. Jeder Normalstudierende wird das wohl bis zu seinem Abschluss hinnehmen müssen – oder sollte sich einfach selber universitätsintern verlieben.

Elif Siebenpfeiffer
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