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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 51 vom 13.12.2008, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Einfühlsame Neuronen

Warum wirkt ein Lächeln ansteckend? Spiegelneuronen geben eine Antwort auf diese Frage.


Foto: Digital Stock

Am Anfang war der Affe. Aus purem Zufall entdeckten Wissenschaftler im Jahr 1995, dass allein der Anblick einer emotional befrachteten Situation beim Betrachter genau die Prozesse im Gehirn auslöst, die beim aktiv beteiligten Gegenüber ablaufen. Konkret ging es dabei um Versuchs­affen, denen regelmäßig Erdnüsse gereicht wurden. Als einer der Versuchsleiter einmal beiläufig selber zu der Nuss griff, zeigten bestimmte Gehirnzellen des beobachtenden Affen exakt diesel­ben Vorgänge an, als hätte das Tier die Handlung selbst ausgeführt. »Hoppla, jetzt passiert was Schö­nes«, mag die Botschaft seines Oberstübchens in etwa gelautet haben.

Ähnliche Spiegelneuronen haben Wissenschaftler auch für andere Gefühlsempfindungen nachweisen können. Ganz offensichtlich, so erläutert der Neurologe Professor Günther Deuschl vom Kieler Uniklinikum, gibt es Nervenzellen, die nicht nur eine bestimmte Situation erfassen, sondern darüber hinaus deren emotionale Bedeutung. In teils durchaus drastischen Versuchen konnte die Wirkung der Spiegelneuronen auch bei Menschen nachvollzogen werden. So wurden Männer zwar kontrollierten, aber eindeutig schmerzhaften Stromstößen ausgesetzt, während bei ihren Frauen die Hirnaktivität untersucht wurde. Man konnte zeigen, dass dieselben Hirnbereiche aktiviert wurden, wie wenn sie selbst Schmerz erlitten hätten. Bei viel subtileren Empfindungen gilt dasselbe. »Es ist eine besondere Leistung unseres Gehirns, dass wir ohne verbalen Austausch sehr viel über die Empfindungen Anderer in Erfahrung bringen können«, beschreibt Professor Deuschl dieses Phänomen, dessen neurobiologische Grundlagen am Menschen vor allem mit Methoden der Kernspintomografie und des Elektroenzephalogramms (EEG) untersucht werden. Aus Tierversuchen geht zudem hervor, dass die »empathischen Neuronen« (also die Neuronen mit Mitgefühl) in verschiedenen Teilen des Gehirns vorkommen und nicht auf eine bestimmte Region eingegrenzt werden können.

Unterm Strich ist die Beschäftigung mit Spiegelneuronen für Professor Deuschl ein »sehr interessanter Ansatz«, der wichtige neue Erkenntnisse verspricht. »Das einzelne Neuron gibt uns dadurch einen ersten Eindruck von den Gesamtvorgängen im Gehirn.« Aber für die Gefühle des Menschen wie für alle Leistungen des menschlichen Denkzentrums gelte, dass »das wirkliche Geheimnis im Orchester der vielen einzelnen Prozesse liegt, die im Gehirn zusammenspielen.«

Martin Geist

Zum Weiterlesen: Joachim Bauer: Warum ich fühle, was du fühlst. Hamburg 2005
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