Einfühlsame Neuronen
Warum wirkt ein Lächeln ansteckend? Spiegelneuronen geben eine Antwort auf diese Frage.

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Ähnliche Spiegelneuronen haben Wissenschaftler auch für andere Gefühlsempfindungen nachweisen können. Ganz offensichtlich, so erläutert der Neurologe Professor Günther Deuschl vom Kieler Uniklinikum, gibt es Nervenzellen, die nicht nur eine bestimmte Situation erfassen, sondern darüber hinaus deren emotionale Bedeutung. In teils durchaus drastischen Versuchen konnte die Wirkung der Spiegelneuronen auch bei Menschen nachvollzogen werden. So wurden Männer zwar kontrollierten, aber eindeutig schmerzhaften Stromstößen ausgesetzt, während bei ihren Frauen die Hirnaktivität untersucht wurde. Man konnte zeigen, dass dieselben Hirnbereiche aktiviert wurden, wie wenn sie selbst Schmerz erlitten hätten. Bei viel subtileren Empfindungen gilt dasselbe. »Es ist eine besondere Leistung unseres Gehirns, dass wir ohne verbalen Austausch sehr viel über die Empfindungen Anderer in Erfahrung bringen können«, beschreibt Professor Deuschl dieses Phänomen, dessen neurobiologische Grundlagen am Menschen vor allem mit Methoden der Kernspintomografie und des Elektroenzephalogramms (EEG) untersucht werden. Aus Tierversuchen geht zudem hervor, dass die »empathischen Neuronen« (also die Neuronen mit Mitgefühl) in verschiedenen Teilen des Gehirns vorkommen und nicht auf eine bestimmte Region eingegrenzt werden können.
Unterm Strich ist die Beschäftigung mit Spiegelneuronen für Professor Deuschl ein »sehr interessanter Ansatz«, der wichtige neue Erkenntnisse verspricht. »Das einzelne Neuron gibt uns dadurch einen ersten Eindruck von den Gesamtvorgängen im Gehirn.« Aber für die Gefühle des Menschen wie für alle Leistungen des menschlichen Denkzentrums gelte, dass »das wirkliche Geheimnis im Orchester der vielen einzelnen Prozesse liegt, die im Gehirn zusammenspielen.«
Martin Geist
Zum Weiterlesen: Joachim Bauer: Warum ich fühle, was du fühlst. Hamburg 2005
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