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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 51 vom 13.12.2008, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Schall statt Strahlen

Knochenbrüche können mit Ultraschall genauso zuverlässig diagnostiziert werden wie mit Röntgenstrahlen.


Wer nach einem Sturz oder einer Verletzung zum Orthopäden oder Unfallchirurgen geht, wird meist unverzüglich zum Röntgen geschickt. Die Ärzte sind es gewohnt, erst nach einem Blick auf das Abbild der Knochen eine Diagnose zu stellen. Zwingend notwendig ist der Einsatz von Röntgenstrahlen aber nicht in jedem Fall. Mitunter würde auch eine Ultraschalluntersuchung reichen.

Wie zuverlässig der Ultraschall bei der Diagnose von Knochenbrüchen ist, hat der Kieler Kinderradiologe Dr. Jörg D. Moritz in einer Studie nachgewiesen. Hierfür untersuchten Moritz und seine Kollegen 653 verletzte Kinder sowohl durch Röntgen als auch mittels Ultraschall. Von 308 entdeckten Knochenbrüchen wurden 266 in beiden Untersuchungen nachgewiesen, 20 wurden ausschließlich im Ultraschall, 21 nur im Röntgenbild entdeckt. In einem Fall, einem Bruch im Gesicht, musste eine Computertomografie angefertigt werden.

Gerade bei Kindern macht es Sinn, zunächst mit Ultraschall zu untersuchen. Denn oft ist nicht gleich klar, wo der Knochenbruch genau ist. »Egal, wo man drückt, das wird ihnen weh tun«, so Moritz. »Für mich als Radiologen stellt sich dann die Frage, wo fange ich an zu röntgen? Zunächst nehme ich die Stelle, bei der am häufigsten etwas passiert. Wenn ich da nichts finde, muss ich weiter röntgen. Im ungünstigsten Fall brauche ich sechs bis acht Röntgenbilder, um eine ganze Extremität in zwei Ebenen darzustellen.« Stattdessen empfiehlt der Röntgenfacharzt, zunächst mit dem Ultraschall die verletzte Extremität abzusuchen. Das kann bei kleinen Kindern, die sehr unruhig sind, schon eine größere Herausforderung sein.

Wenn der Bruch entdeckt ist, kann dann, falls nötig, gezielt ein Röntgenbild aufgenommen werden. Bei unkomplizierten Brüchen, bei denen keine Operation notwendig ist, kann auf die Röntgenuntersuchung ganz verzichtet werden.

»Generell ablehnen würde ich eine Röntgenuntersuchung des Kopfes, zum Beispiel nachdem ein Baby vom Wickeltisch gefallen ist. Knochenbrüche am Schädeldach kann man im Ultraschall sehr gut sehen. Das hat aber keine therapeutischen Konsequenzen, den Schädel wird man nicht eingipsen.«

Vollständig ersetzen lässt sich das Röntgen aber nicht. Um zu entscheiden, welche Therapie angebracht ist, ob etwa eine Operation in Frage kommt, muss der Arzt genau wissen, welche Art von Knochenbruch vorliegt. Inwieweit hier der Ultraschall weiterhilft, ist noch unklar. Hinzu kommt, dass sich die Situation für einen nicht am Ultraschall Beteiligten relativ schlecht darstellen lässt. Moritz: »Der Ultraschall lebt von einer Real-Time-Untersuchung, davon, dass man sich durch die Bewegung des Schallkopfes ein dreidimensionales Bild im Kopf zurechtbaut. Anhand der einzelnen stehenden Bilder kann ich dem behandelnden Arzt nur schwer vermitteln, was er da wirklich vor sich hat. Mit dem Röntgenbild bekommt der Unfallchirurg einen guten Überblick über das ganze Geschehen, und deswegen wird er das in aller Regel auch haben wollen.«

Kerstin Nees
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