Auf Draht
In einer Kaffeepause wurde er für Kiel entdeckt. Jetzt bereichert ein hoch talentierter Physiker für zwei Jahre die Material wissenschaften.

Yogendra Kumar Mishra erforscht in Kiel die Geheimnisse feinster Drähte. Foto: pur.pur
Dass der vor 26 Jahren in der kleinen Ortschaft Bahraich im nördlichen Indien geborene Yogendra Kumar Mishra einer von ihnen ist, überrascht kaum. Quasi schon seit seiner Kindheit gilt er trotz seines bescheidenen Auftretens als Überflieger, der unbeirrt von härtesten Ausleseprozessen seinen Weg geht. Sein Studium in Physik, Chemie und Mathematik absolvierte er schnell und mit besten Ergebnissen. Im Bewerbungsverfahren für ein Stipendium zur Promotion setzte er sich als einer von 200 Auserwählten gegen mehr als 50.000 Konkurrenten durch. Bei einer Konferenz von Nanowissenschaftlern in Indien fiel der junge Mann auch dem Kieler Materialwissenschaftler Professor Rainer Adelung auf. »Es war offensichtlich, welch überragende Anlagen er hat, und so schlug ich ihm beim Kaffee vor, sich um ein Humboldt-Stipendium zu bewerben und zu uns an die Technische Fakultät zu kommen«, erinnert sich der seinerseits gerade mal 37 Jahre alte Hochschullehrer.
Nach vollzogener Promotion im September vergangenen Jahres hat Yogendra Kumar Mishra diesen Vorschlag tatsächlich aufgegriffen. Im Oktober kam er dank eines Übergangsstipendiums nach Kiel, seit dem 1. Februar ist er für zwei Jahre ganz offiziell ein Humboldtianer.
Geworden ist er es trotz konkurrierender Angebote aus den USA und Taiwan. »Weil ich hier eine gute Arbeit machen kann«, sagt er zufrieden lächelnd und erzählt, dass Deutschland allgemein und die Uni Kiel speziell bei Materialwissenschaftlern unter den indischen Jungakademikern einen hervorragenden Ruf genießen.
Nicht so viel mag der 26-Jährige darüber erzählen, in welcher Weise seine Arbeit die seiner Kieler Kollegen befruchten kann. Stattdessen dreht er die Perspektive um und betont: »Ich lerne viel.« Hervorragende technische Möglichkeiten gepaart mit geballter Kompetenz in jedem Büro und Labor definieren für ihn die idealen Bedingungen, um aus einer vielversprechenden eine herausragende wissenschaftliche Laufbahn zu machen.
Dabei widmet sich der Inder den entschieden kleinsten Dingen, die Forscher heutzutage betrachten können. Er befasst sich mit sogenannten Nanodrähten aus Metallpolioptimale mer-Kompositen oder Zinkoxid, die unterm Elekronenmikroskop wie feinste Härchen auf kaum größeren Kügelchen aussehen. Eine der Fragen, die er dabei untersucht, ist die nach einer möglichen antibakteriellen Wirkung dieser Nano-Drähte. Sollte sich die beweisen lassen, ergäben sich Anwendungsmittel in der Pharmazie ebenso wie bei der Entwicklung keimtötender Beschichtungen für Operationstische.
Die Zusammenarbeit mit den Biologen im Exzellenzcluster zur Entzündungsforschung um Professor Thomas Bosch gehört für Kumar Mishra fest zum Programm in den nächsten beiden Jahren. Doch trotz aller Wissenschaft ist er fest entschlossen, nebenbei das Menschsein nicht zu vergessen: »24 Stunden Arbeit am Tag ist nicht gesund. Ich gehe auch mal Billard spielen.«
Martin Geist
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