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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 52 vom 07.02.2009, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Splitter: Aufschieberitis

Es gibt sie, die Vorbilder in Sachen Selbstdisziplin. Menschen mit preußischen Tugenden, für die der Spruch "was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" erfunden wurde. Sie haben keine Bügel- oder Aktenberge, erledigen auch ungeliebte Arbeiten sofort und nutzen jede Minute ihres Tages planvoll. Sie machen die Steuererklärung gleich am Jahresanfang, brauchen nie aufzuräumen, weil sowieso alle Dinge nach Gebrauch wieder an ihren Platz kommen, und teilen größere Aufgaben so ein, dass sie termingerecht und ohne Schlaf raubende Nachteinsätze fertig werden. Ja, es gibt sie, zumindest als Ideal für diejenigen, die all das nicht schaffen. Und diese sind zahlreich. Etwa ein Viertel der Bevölkerung schiebt auf, und zwar chronisch, so die Schätzung von Experten. Bei Studenten ist der Anteil derjenigen, die im Zweifel lieber bügeln als büffeln noch sehr viel höher. Von bis zu 70 Prozent Aufschiebern gehen Fachleute aus. Die Wissenschaft hält für die Aufschieberitis sogar ein eigenes Fachwort bereit – Prokrastination (wörtlich übersetzt: für morgen).

Gewiss, es gibt Menschen die in diesem Sinne förmlich krank sind, nichts mehr geregelt kriegen und professioneller Hilfe bedürfen – zum Beispiel in Workshops zum effektiven Zeitmanagement oder in einer persönlichen Beratung. Allen anderen möchte man entgegen rufen, "Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut". Kreative Schaffenspausen sind nötig. Und manche brauchen gar einen gewissen Zeitdruck, um überhaupt richtig gut arbeiten zu können. Das einzig Ärgerliche daran ist, dass die Zeit, in der man Arbeiten aufschiebt, meist von einem schlechten Gewissen begleitet wird. Anstatt mit Genuss etwas Entspannendes zu tun, etwa sich in ein Buch zu vertiefen, einen Kuchen zu backen, an die frische Luft zu gehen oder mit den Kindern zu spielen, wird geschrubbt, gebügelt und geräumt, was das Zeug hält. Oder die Zeit wird einfach nur "verdaddelt" in Erwartung des Moments, in dem man mit der eigentlichen Arbeit beginnen kann. Das muss doch nun wirklich nicht sein! Wer hat eigentlich festgelegt, dass der Mensch erst schuften soll, bevor er sich vergnügen darf? Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ein bisschen Spaß vor der Arbeit hat noch keinem geschadet.

Kerstin Nees
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