Wanderdüne
Wenn es dem Küstenschutz dient, muss auch einmal eine Düne weichen. Ob das gelingt und was es nutzt, untersucht eine Kieler Geographiestudentin in Dänemark.

Das Untersuchungsgebiet nördlich des dänischen Küstenortes Thorsminde im Sommer 2007. Foto: Hunderup Luftfoto
Wie viel Sand der Wind mit sich nimmt und wo er sich ablagert, untersucht Sandra Schlappkohl für ihre Diplomarbeit in Kooperation mit der dänischen Küstenbehörde in Lemvig. Das Versuchsgebiet befindet sich in einer Dünenlandschaft auf der Landzunge des Nissum Fjords nördlich des Ortes Thorsminde an der dänischen Nordseeküste. In einem Abschnitt wurde mit Baggern Sand an der windabgelegenen Seite der Düne abgetragen und dadurch die Düne zehn Meter in Richtung Strand zurückverlegt. Sie war an dieser Stelle sehr stark angewachsen und reichte bis an die dahinter liegende Landstraße. Bei starkem Westwind wurde die Straße an dieser Stelle vor allem im Winter häufiger komplett mit Sand zugedeckt. Schlappkohl: »Die Verwehungen waren mitunter 20 bis 30 Zentimeter hoch und mussten weggeräumt werden.« Dort, wo der Sand weggebaggert wurde, lässt sich jetzt genau beobachten, wie viel Sand bei Westwind wieder zurückkommt.
Den Sandtransport misst die Kieler Studentin zudem mit 27 speziellen Flugsandfallen, die an Standorten mit und ohne Vegetation verteilt sind. Die Sandfallen können unter anderem Auskunft über die Sandflugmengen in unterschiedlichen Höhen über der Dünenoberfläche geben. Ein weiteres Werkzeug zur Messung des Sandtransports sind Stahlstangen, die in den Boden gesteckt werden. Diese Erosionspins tragen Markierungen, an denen sich erkennen lässt, ob Sand an dieser Stelle abgetragen oder angereichert wurde. Darüber hinaus dokumentieren Fotoserien die Bewegung der Dünenlandschaft innerhalb der dreimonatigen Untersuchungszeit auf einer Länge von zwei Kilometern.
Die bisherigen Ergebnisse sind keine große Überraschung: »Wenn Westwind da ist, kommt ein gewisser Betrag an Sand wieder über die zuvor abgetragene Düne«, berichtet Schlappkohl. Auffallend sind die Unterschiede zwischen begrünten und nicht begrünten Dünenabschnitten. Wo die Düne bewachsen ist, wird kaum Sand wegtransportiert, sondern eher angelagert. Und dort, wo keine Vegetation ist, findet Erosion statt. »Auf jeden Fall hat sich gezeigt, dass das Verlegen der Düne allein nicht ausreicht. Jetzt müssen weitere Konzepte entwickelt werden«, so das Fazit von Dr. Michaela Bach, die die Diplomandin betreut. Das betroffene Gebiet war ein Überfahrbereich und daher nicht bewachsen. Jetzt wird dort nicht mehr gefahren, und nach Ablauf des Versuchs soll Strandhafer gepflanzt werden. Diese Maßnahme allein wird nach bisherigen Erfahrungen hier vermutlich nicht ausreichen. Aber immerhin hat man mit der Abgrabung etwas Platz gewonnen, auf dem sich Sand ansammeln kann, ohne dass der Straßenverkehr beeinträchtigt wird. Hinter der Düne angesammelter Sand könnte einmal im Jahr oder auch alle drei bis vier Jahre, je nachdem wie viel Sand in den Stürmen transportiert wird, wieder zurückgebaggert werden. »Langfristig ist das jedoch keine Lösung, da nur die Symptome beseitigt werden, nicht jedoch das zugrunde liegende Problem«, erklärt die Landschaftsökologin.
Kerstin Nees
Expertentreffen zum Küstenschutz
Der globale Klimawandel wirkt sich intensiv und sichtbar auf viele Küstenregionen aus. Steigende Meeresspiegel, häufigere Sturmfluten sowie Extremereignisse wie Tsunamis und Aktivitäten des Menschen führen dazu, dass sich Küstenverläufe ändern. Vom 24. bis 26. April richtet die Arbeitsgruppe Küsten- und Schelfgeologie am Institut für Geowissenschaften gemeinsam mit dem Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" die diesjährige Tagung "Geographie der Meere und Küsten" aus. Neue Forschungsergebnisse zum Thema Küstenwandel, Küstenschutz und Ressourcen im Küsten- und Schelfbereich werden hier vorgestellt. Bei einer Exkursion nach Sylt können die Tagungsteilnehmer die speziellen Probleme des Sylter Küstenschutzes in Augenschein nehmen. (ne)
www.ifg.uni-kiel.de/26.html
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