In Schale geworfen
Wie bekommt man wertvolle Inhaltstoffe der Apfelschale ins Fruchtfleisch? Kieler Lebensmitteltechnologen haben dafür ein Verfahren zum Patent angemeldet.

Viel zu schade zum Wegwerfen. Foto: pur.pur
Die Lebensmitteltechnologin Beate Schulze hatte eine bessere Idee. So wie man Kleie und andere Schalenbestandteile des Getreidekorns dem Brot zusetzt, könnte man doch auch Quercetin aus der Apfelschale im Apfel anreichern. Anders als beim Brot, wo man die Zutaten einfach vermischt, muss hier jedoch ein intaktes Lebensmittel dazu gebracht werden, einen Stoff in sich aufzunehmen. Und das ist im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes "Funktionelle Lebensmittel für die Gefäßgesundheit" gelungen – mit einem Verfahren, das sich Vakuum-Imprägnierung nennt. Dabei werden ungeschälte Apfelringe in einen mit Apfelschalenextrakt angereicherten Apfelsaft gelegt. Das Anlegen eines Vakuums zieht die Luft aus den Poren der Apfelringe. Sobald wieder der normale Luftdruck herrscht, saugen sich die Poren mit dem angereicherten Apfelsaft voll. So gelangt das Quercetin ins Fruchtfleisch. »Auf diese Weise schaffen wir eine neue funktionelle Rohware, die sehr vielfältig in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden kann.«
Mit einem speziellen Trocknungsverfahren werden die angereicherten Apfelringe anschließend zu knusprigen Apfelchips verarbeitet. Schulze: »Im Vergleich zu normalen Apfelchips mit Schale erreiche ich mit dieser Methode eine fünffach höhere Quercetinmenge.«

Die Apfelringe baden in einem besonderen Apfelsaft und saugen sich nach einer Vakuumbehandlung damit voll. Anschließend werden sie getrocknet. Foto: Lebensmitteltechnologie/CAU
Was die Einnahme von Quercetin bei Personen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- Erkrankungen bewirkt, hat eine Studie am Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde unter Leitung von Professor Manfred J. Müller untersucht. 96 Probanden erhielten sechs Wochen lang täglich 150 Milligramm Quercetin oder Plazebo. »Wir haben mindestens zwei sehr positive Effekte gefunden«, berichtet Studienleiterin Dr. Sarah Egert. So sei bei Personen der Quercetingruppe sowohl der Blutdruck als auch die Konzentration des blutgefäßschädigenden, oxidierten LDL-Cholesterins gesunken. »150 Milligramm Quercetin ist ungefähr das Zehnfache von dem, was man mit einer üblichen Ernährung aufnimmt«, so Egert. Etwa die gleiche Menge des Stoffes stecken in 100 Gramm mit Quercetin angereicherten Apfelchips aus der Produktion der Kieler Lebensmitteltechnologen. Die Bioverfügbarkeit des Quercetins in den Apfelchips, also wie viel des Stoffs ins Blut gelangt, nachdem die Chips verzehrt wurden, soll in einer weiteren Studie untersucht werden.
Kerstin Nees
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