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unizeit Nr. 53 vom 11.04.2009, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Einwurf: ... alles muss versteckt sein

Groß und besonders Klein sucht und findet jetzt wieder Ostereier. Die Lust daran ist dem Menschen in die Wiege gelegt, meint der Entwicklungspsychologe Professor Thomas Bliesener.


unizeit: Entspringt es österlich motivierter Einbildung, dass wir Menschen große Freude am Verstecken haben, oder ist an diesem Eindruck etwas dran?

Thomas Bliesener: Entwicklungspsychologisch betrachtet fällt tatsächlich auf, dass schon Babys im Alter von vier Monaten eine unheimliche Freude am "Kuckuck-Spielen" haben. Wenn Mama oder Papa kurz hinter dem Kinderwagen verschwinden und sich dann wieder zeigen, finden die Kleinen das ganz klasse. Auch in der Sprachentwicklung zeigt sich, dass nach der Benennung der Eltern und von Dingen wie Auto oder Ball sehr früh die Worte "weg" und "da" auftauchen.

Und was sagen uns diese Auffälligkeiten?

Es klingt vielleicht überraschend, doch wir wissen im Grunde noch recht wenig über dieses Thema. Aber vielleicht sind diese frühkindlichen Verhaltensweisen als Hinweise darauf zu werten, dass im Lauf der Evolution durch das Finden von gewissen Dingen so etwas wie Lust oder ein Belohnungssystem aktiviert wurde. Weil der Mensch im Ursprung ein Jäger und Sammler ist, erscheint das wenig überraschend. Nahrung zu finden, die man möglicherweise zuvor selbst versteckt und damit vor fremdem Zugriff geschützt hatte, war ja schließlich eine nicht nur angenehme, sondern geradezu überlebenswichtige Angelegenheit.

Kleine Kinder schließen gern die Augen und glauben, sie seien unsichtbar. Wie ist das zu verstehen?

Das ist ein natürliches Stadium der Entwicklung, die sogenannte egozentrische Phase. Zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr gibt sich das gewöhnlich, und die Kinder lernen, dass ihre eigene Wahrnehmung nicht unbedingt die der anderen ist. (mag)
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