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unizeit Nr. 53 vom 11.04.2009, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Zitieren

Scheinbar einfache und nebensächliche Tätigkeiten sind eine Wissenschaft für sich.


Foto: pur.pur

Zitieren ist eine der riskantesten Praktiken der Wissenschaft: »Etymologisch ist der Begriff "Zitat" mit dem lateinischen "citare" verwandt, was ursprünglich "in Bewegung setzen" und "herbeirufen" bedeutete. Dieses Verständnis erfuhr dann aber eine Verengung und meinte im rechtssprachlichen Gebrauch "Parteien und Zeugen vor Gericht zitieren."«1 Auch in der Wissenschaft ruft man durch Zitate Meinungen und Aussagen seiner Zeugen auf. Wer falsch zitiert, ist – wenn es herauskommt und öffentlich wird – wissenschaftlich nicht (mehr) glaubwürdig. »Falsches Zitieren ist sehr häufig mit dem Vorwurf der Täuschung oder Lüge verbunden. [...] Genau wie die Lüge eine kommunikative Möglichkeit und ein kommunikatives Bedürfnis darstellt, so ist es auch mit dem falschen Zitieren.«2

Jeder Wissenschaftler entwickelt seinen eigenen Zitierstil, und manchmal kann man ganze wissenschaftliche Schulen an ihrem Zitierverhalten erkennen. Der eine stattet seinen Text mit einer Unmenge von Zitaten aus und stützt sich auf fremde, derzeit besonders anerkannte Autoritäten. Der andere nutzt in seiner Arbeit nur sehr wenige oder gar keine Zitate, da ihm seine eigenen Gedanken genügen. Je nach Gesinnung und Zeitgeist kann man zu viel oder zu wenig, "das Richtige" oder "das Falsche", Zitierwürdiges oder weniger Zitierwürdiges an geeigneten oder weniger geeigneten Stellen zitieren. Und erst im Lauf der Zeit stellt sich ein Gefühl für das ausgewogene Verhältnis zwischen Eigenem und Fremdem ein.

Immer aber muss man direkte Zitate wort- und zeichengetreu wiedergeben und darf sie (wie auch indirekte oder sinngemäße Übernahmen) nicht sinnentstellend verwenden. Denn durch die richtige Handhabung des Zitierens stellt man sich – in den Geisteswissenschaften – sein eigenes Zeugnis aus und beweist seine eigene Zitierfähigkeit. Zur Überprüfung der Zitate dienen natürlich die genauen Quellenangaben – wie in diesem Artikel. Aber warum wird darauf wohl normalerweise in Zeitungen verzichtet?

Bettina Luise Leyh
Die Autorin studiert am Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien.

1 Andrea Gutenberg / Ralph J. Poole: Einleitung: Zitier-Fähigkeit. Findungen und Erfindungen des Anderen. In: Zitier-Fähigkeit. Findungen und Erfindungen des Anderen. Berlin 2001

2 Jörg Meibauer: Zitat und Lüge. In: Zitat und Bedeutung. Linguistische Berichte. Sonderheft 15. Hamburg 2007
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