Sag mal Ahhhh
Wurzel entzündet oder Krone fällig? In der Universitätszahnklinik beheben Studierende im höheren Semester Schäden am Gebiss mit größter Sorgfalt.

Heute behandelt Benedicta (l.). Assistent Klaus bereitet den blauen Kofferdam vor, ein Gummispanntuch, das den Zahn vom restlichen Mundraum abschirmt. So gelangen keine Fremdkörper wie Amalgamreste in den Rachen und kein Speichel an den Zahn. Foto: pur.pur
»Zuerst behandeln sich die Studierenden gegenseitig, üben zum Beispiel, Spritzen zu geben. Im Verlauf des Semesters hat dann jeder Student Patienten, für die er oder sie zuständig ist«, erklärt Zahnärztin Yvonne Boye, die den Kurs betreut. »Primär machen die Studierenden in diesem Semester zum Beispiel Füllungen und Wurzelbehandlungen, wir versuchen aber so viele verschiedene Fälle wie möglich von ihnen behandeln zu lassen.« Dabei arbeiten sie immer in Zweierteams, abwechselnd führt einer die Behandlung aus, der andere assistiert.
Benedictas Patient spült sich gerade den Mund aus. Sebastian ist Lehramtsstudent und eigentlich kein begeisterter Zahnarztgänger. »Normalerweise habe ich den Besuch beim Zahnarzt immer endlos herausgezögert. Da spielte schon eine gewisse Angst mit. Aber hier fühle ich mich einfach gut aufgehoben. Benedicta erklärt mir, was sie als Nächstes macht und mit welchen Geräten sie in meinem Mund arbeitet. Ich fühle mich nicht so ausgeliefert.«
So geht es vielen Patienten, die sich schon seit mehreren Jahren von Studenten behandeln lassen und sich teilweise gar nicht mehr vorstellen können, in eine herkömmliche Zahnarztpraxis zu gehen. Viele der Patienten, die sich für die Studentenkurse anmelden, kommen deshalb hierher. Dafür müssen sie teilweise ganze Vormittage auf dem Zahnarztstuhl verbringen – die Behandlungen dauern wesentlich länger, als in der Zahnarztpraxis. »Da merkt man eben, dass wir noch keine routinierten Ärzte sind. Wir machen die einzelnen Behandlungsschritte sehr sorgfältig und stimmen Zwischenschritte immer wieder mit dem betreuenden Arzt ab«, sagt Benedicta. Viele Patienten schätzen gerade diese Sorgfalt. Auch Sebastian macht es nichts aus, wenn‘s länger dauert. »Schließlich bin ich ja Student und kann mir meine Zeit weitgehend frei einteilen. Und letztendlich war es einfach auch eine Geldfrage«, sagt der 27-Jährige. Boye erklärt: »Dadurch, dass die Patienten nicht von fertigen Ärzten behandelt werden, können wir manche Leistungen günstiger anbieten. Da zeigen sich dann schon Unterschiede in der Rechnungssumme.«
Inzwischen hat Boye die ausgewählte Farbe für Sebastians Füllung begutachtet und ist schon in der nächsten Koje, um die dort durchgeführte Zahnreinigung anzuschauen. »Wir lernen einen festen Behandlungsablauf. Zuerst wird immer eine Zahnreinigung gemacht, um systematische Putzfehler der Patienten zu diagnostizieren und um zu sehen, in welchem Zustand die Zähne unter dem Zahnbelag sind«, erklärt Benedicta. »So richtig geekelt habe ich mich eigentlich noch nicht. Eher gewundert, wie lange manche Menschen Schmerz aushalten, bevor sie zum Zahnarzt gehen.«
Klaus reicht Benedicta einen kleinen Spiegel. Er blitzt in dem hellen Zahnarztstrahler kurz auf, bevor sie ihn hinter Sebastians Zahnreihen entlangführt. Konzentriert schaut sie durch ihre Schutzbrille in seinen Mund. »Man muss zu seinem Zahnarzt schon Vertrauen haben«, sagt sie. »Die größte Aufgabe der Zahnärzte besteht für mich darin, das Bewusstsein dafür zu wecken, wie wichtig Zähne sind. Zahnerkrankungen können eine Reihe weiterer Erkrankungen nach sich ziehen, wenn sie unbehandelt bleiben. Gesunde Zähne dagegen sind für mich ein Gefühl von Lebensqualität.«
Benedicta hat bereits ein abgeschlossenes Medizinstudium. »Ich würde gerne Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgin werden. Dafür muss man Medizin und Zahnmedizin studiert haben«, erzählt die 27-Jährige. Sebastians alte Amalgamfüllung liegt mittlerweile in einem Schälchen auf dem Behandlungstisch. Benedicta zieht die Lampe etwas näher. Dann beugt sie sich über ihren Patienten und konzentriert sich wieder ganz auf die Behandlung.
Julia Zahlten
Patienten gesucht
Zur Ausbildung der Studierenden werden ständig Menschen gesucht, die sich von den Nachwuchszahnärzten behandeln lassen. Füllungen, Brücken, Wurzelbehandlungen – jede Art von Behandlung kann in der Zahnklinik von Studierenden durchgeführt bzw. für die weitere Behandlung durch Ärzte vorbereitet werden. Interessenten können sich in der Aufnahme der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie melden, Arnold-Heller-Straße 3, Kiel.
Behandlungszeiten:
Montags und mittwochs bis freitags 8 bis 12 Uhr,
dienstags 10 bis 12 Uhr sowie
montags bis donnerstags 13 bis 16 Uhr.
Behandlungszeiten:
Montags und mittwochs bis freitags 8 bis 12 Uhr,
dienstags 10 bis 12 Uhr sowie
montags bis donnerstags 13 bis 16 Uhr.
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