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Nr. 53, 11.04.2009  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Eine für alle

Am Kieler Uniklinikum eröffnet im Mai eine bundesweit einzigartige Entzündungsklinik.


Das Exzellenzzentrum für Entzündungsmedizin lädt am 3. Mai von 11 bis 16 Uhr in die Schittenhelmstraße 12 in Kiel ein.
Foto: Ingo Beckmann

Statt wie bisher von einem Facharzt zum nächsten ge­schickt zu werden, haben die Patienten im neuen Entzün­dungszentrum alle Spezialisten an einem Ort. Alle Ambulanzen laufen über eine zentrale Anmeldung. Es gibt eine gemeinsame Sprechstunde, gemeinsame Blutabnahme und gemeinsame Therapieräume. Und nicht nur in Kiel, sondern auch auf dem Lübecker UK-S-H-Campus, allerdings nicht in einem eigenen Haus. »Wir verstehen uns im besten Sinne als Anbieter einer ganzheitlichen Medizin«, erklärt der Leiter der neuen Kieler Entzündungsklinik, Professor Johann Schröder. »Das heißt, dass wir den ganzen Patienten berücksichtigen mit allem, was die Krankheit bei ihm macht, einschließlich der psychischen Probleme. Patienten, die in unserem Zentrum bei mehreren Spezialisten gewesen sind, haben auch das gute Gefühl, dass alle Seiten der Erkrank­ung berücksichtigt worden sind«, so der Rheumatologe.

Im Zentrum Entzündungsmedizin finden sich Entzündungsexperten aus den Fachbereichen Magen-Darm, Niere, Leber und Lunge, Rheumatologie, Kardiologie und Immunologie sowie Ärzte aus der Autoimmunsprechstunde der Hautklinik. Mehrmals in der Woche sind interdisziplinäre Fallkonferenzen vorgesehen. Bei diesen Treffen aller Fachvertreter kommen vorrangig solche Fälle – also Patienten – zur Sprache, die offensichtlich interdisziplinär oder besonders schwierig zu behandeln sind. Die Ärzte stehen aber nicht nur untereinander in einem ständigen fachlichen Austausch, sie halten auch regelmäßigen Kontakt zu den Wissenschaftlern des Exzellenzclusters. Dabei geht es unter anderem auch darum, Kennzeichen im Blut oder im Genom zu finden, die auf einen besonders schweren Verlauf der jeweiligen Erkrankung oder das Auftreten weiterer Entzündungen hinweisen. Neue Wirkstoffe aus der Forschung kommen dem Patienten im Rahmen von klinischen Studien zugute. Ziel ist letztlich, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schneller in die alltägliche Praxis umzusetzen – für eine optimale Behandlung des Patienten.

Bis Ende April sollen acht Ambulanzen der inneren Medizin in das frisch renovierte Gebäude an der Schittenhelmstraße 12, gegenüber dem Mildred-Scheel-Haus in Kiel, umgezogen sein. Sie bilden zusammen mit Grundlagenforschern des "Exzellenzclusters Entzündungsforschung", die ebenfalls dort Labore und Arbeitsplätze beziehen, das neue "Exzellenzzentrum für Entzündungsmedizin". »Ein solches Zusammenführen dieser Kompetenzen in einem Zentrum gibt es bisher in Deutschland nicht«, sagt Schröder. Aber es ist sinnvoll – für die Patienten und auch für die Forschung. Denn die zu Grunde liegenden Mechanismen sind bei so unterschiedlichen Krankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis), chronischer Darmentzündung (Morbus Crohn) oder koronarer Herzkrankheit sehr ähnlich. Nicht selten haben Patienten an mehreren Stellen im Körper Entzündungen. So leiden Patienten mit Schuppen­flechte überdurchschnittlich oft auch an einer chronischen Gelenkentzündung; Rheumapatienten entwickeln doppelt so oft wie die Durchschnittsbevölkerung Arteriosklerose, die, wie man heute weiß, durch entzündliche Prozesse beschleunigt wird.

Der neue Ansatz überzeugt. Das Kieler Exzellenzzentrum für Entzündungsmedizin ist am 3. Mai "Ort im Land der Ideen". Es zeichnet »bereits die Umrisse einer Medizin von morgen für die Prävention und Behandlung chronisch entzündlicher Erkrankungen«, heißt es in der Begründung für die Auszeichnung.

Kerstin Nees
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