Virtuose Viren
Gastwissenschaftler bereichern den »Campus international« der Uni Kiel, derzeit auch der amerikanische Biologe Professor Kenneth M. Stedman.

Kenneth M. Stedman. Foto: mag
Drei Monate seines Humboldt-Stipendiums verbringt der mit einer Deutschen verheiratete Professor aus den USA in seiner ersten Etappe an der Universität Kiel, im Jahr 2011 sollen dann weitere fünf Monate folgen. Zu dieser Stückelung hat sich der gebürtige Engländer entschlossen, um seine Lehrverpflichtungen an der Portland State University in Oregon/USA erfüllen zu können.
Ein erfahrener Forscher ist der Molekularbiologe besonders auf seinem Spezialgebiet, der Untersuchung von Viren, die unter extrem hohen Temperaturen lebensfähig sind und sich in teils mehr als 80 Grad heißem Wasser aus vulkanischen Quellen tummeln. Dass dieses Wasser mit einem pH-Wert von 3 ungefähr so sauer wie Zitronensaft ist, kann den robusten Winzlingen, die in evolutionsgeschichtlich sehr alten Mikroorganismen namens Sulfolobus leben, ebenfalls wenig anhaben.
Ob die Viren ihr Überleben unter solch extremen Verhältnissen den äußeren Bedingungen oder ihrem Wirt zu verdanken haben, interessiert Stedman dabei besonders. Außerdem will er Indizien näher prüfen, wonach seine gewöhnlich aus heißen Quellen im US-amerikanischen Yellowstone-Nationalpark entnommenen Forschungsobjekte möglicherweise überraschend viel mit Mikroben zu tun haben, die an der Universität Kiel das Interesse von Wissenschaftlern wecken. Die Molekularbiologin Professor Ruth Schmitz-Streit arbeitet mit im Labor gewonnenen Mikroben, die mit Sulfolobus entfernt verwandt sind, berichtet der amerikanische Professor, der mit seiner deutschen Kollegin bereits seit vielen Jahren einen regen Austausch zu diesem Thema pflegt.
Die Ähnlichkeiten auf molekularer Ebene will der Professor während seines Aufenthalts in Kiel erkunden. »Vor allem aber bin ich hier, um zu lernen«, betont Stedman, der sich besonders für die Geräte interessiert, mit denen die Molekularbiologen von der Förde ihre Mikroben kultivieren können. »Solche Möglichkeiten gibt es nur sehr selten«, lobt er. Seine deutschen Gastgeber wiederum profitieren von Stedmans Aufenthalt, weil sie an der Erfahrung eines langjährig ausgewiesenen Experten in seinem Metier teilhaben können.
Seine im Ruf von hinterhältigen Krankheitserregern stehenden Forschungsgegenstände hat er in dieser Zeit fast ein bisschen ins Herz geschlossen. Schließlich ist es nach seinen Erkenntnissen mit der zerstörerischen Wirkung von Viren oft gar nicht so weit her, wie die meisten Zeitgenossen glauben mögen. Sulfolobus als Wirtsorganismus etwa wächst mit Viren aus den heißen Quellen allenfalls etwas langsamer als sonst. Ausgesprochen positive Wirkungen zeigen diese Viren obendrein teilweise beim Transport von Genen oder bei anderen wichtigen biologischen Funktionen.
»Grundsätzlich wären Viren dumm, wenn sie den Wirt zerstören würden, von dem sie leben«, betont Professor Stedman: »Sie würden sich damit ja selber ausrotten.«
Martin Geist
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