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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 55 vom 11.07.2009, Seite 2  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Wie das Klima die Politik verändert

Bringt der Klimawandel neue Gefahren für die internationale Sicherheit? unizeit sprach darüber mit dem Politikwissenschaftler Professor Joachim Krause.


Prof. Joachim Krause Foto: pur.pur

unizeit: "Politik im Klimawandel. Keine Macht für gerechte Lösungen?" So lautet das Thema des 24. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Vereini­gung für Politikwissen- schaft. Die Frage, ob der Klimawandel neue ungerechte Zustände und damit neue Konflikte schafft, drängt sich da ja geradezu auf.

Krause: Diese Frage drängt sich tatsächlich auf, man sollte sich aber vor einfachen Antworten hüten. Immerhin gibt es in der Politikwissenschaft sehr unterschiedliche Einschätzungen. Vertreter einer pessimistischen Denk­schule gehen davon aus, dass Klimawandel und Ressourcenknappheit Anlass für Konflikte und Kriege sein werden und eine neue Welle der machtpolitischen Rivalitäten einsetzen könnte. Vertreter einer optimistischen Denkschule hingegen erwarten, dass diese Probleme neue Formen der internationalen Kooperation hervorbringen werden.

Neigen Sie eher zum Optimismus oder zum Pessi­mismus?

Für beide Denkschulen gibt es gute Argumente. Für mich liegt eine wichtige Aufgabe der Politikwissenschaft darin, dazu beizutragen, dass sich die pessimistischen Voraus­sagen nicht erfüllen und die internationale Kooperation erfolgreich wird. Es gibt keinen Automatismus der künftigen Entwicklung in diesem Bereich, vor allem kann man mit wissenschaftlichen Verfahren in dieser Frage keine seriösen Vorhersagen treffen. Es lassen sich bestenfalls Szenarien entwickeln.

Weniger Raum und weniger Ressourcen: Bedeutet das nicht automatisch einen Überlebenskampf, der auch mit Waffen geführt wird?

So wie Sie es formulieren, klingt es auf den ersten Blick alarmierend, aber die Dinge sind meist sehr viel komplizierter. Der Klimawandel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit den Ressourcen­stress im Bereich der Versorgung mit Süßwasser in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten und in Zentralasien erhöhen. Dadurch werden bestehende Konflikte verschlimmert und neue können entstehen, etwa zwischen der Türkei und ihren südlichen Nachbarstaaten. Eher erwarte ich aber die Zunahme der Migration aus Ländern, in denen es zu einer Verringerung der bebaubaren Ackerfläche bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum kommt. Ob daraus Kriege entstehen werden, können wir aber nicht voraussehen. Zudem werden mittelfristig durch den Anstieg des Meeresspiegels Länder wie Bangladesh erhebliche Probleme mit Überschwemmungen haben. Auch das wird weniger zu Kriegen als zu Migrationsproblemen führen.
Ressourcenprobleme bestehen zurzeit eher Bereichen, die nicht vom Klimawandel betroffen sind, also etwa Erdöl, Erdgas oder seltene Metalle. Jedoch hatten die meisten bewaffneten Konflikte der letzten Jahrzehnte nicht oder nur indirekt mit Ressourcenknappheit und noch weniger mit Klimawandel zu tun. absehbarer Zeit werden Nationalismus, ideologischer und religiöser Fanatismus sowie politische Fehleinschätzungen die hauptsächlichen Ursachen von bewaffneten Konflikten bleiben.

Trotzdem haben ja zumindest die Großmächte starke wirtschaftliche Interessen, die durch die Folgen des Klimawandels beeinträchtigt werden könnten.

Das stimmt, aber ich denke, dass sich im Laufe der kommenden Jahrzehnte die Dinge anders entwickeln werden, als manche es heute erwarten. Schon heute haben die Großmächte und andere Staaten Probleme wegen des Zugangs zu knapp werdenden fossilen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas. Und diese Probleme werden sich verschärfen, je mehr China und Indien wirtschaftlich vorankommen.
Das belastet das Verhältnis zwischen den USA, der EU und China durchaus, aber diese Akteure bemühen sich um eine friedliche Lösung – und die fängt oft zuhause an, wenn es darum geht, den Verbrauch von Energie zu reduzieren. Die internationale Debatte über den Klimawandel trägt zudem dazu bei, dass in vielen Ländern – auch in China – erhebliche Investitionen in jene Technologien erfolgen, die die Welt weniger abhängig von fossilen Brennstoffen machen. Von daher würde ich vor Alarmismus warnen. Andererseits können wir nicht sicher sein, ob die In vestitionen in neue Technologien das Konfliktpotenzial gänzlich entschärfen werden können. Wichtig ist, ob die internationale Kooperation auf diesem Gebiet effektiv sein wird.

Wird die internationale Kooperation erfolgreich sein?

Gerade zu dieser Frage sehe ich den größten Bedarf an wissenschaftlicher Analyse. Es geht darum, ob die internationale Kooperation zur Bändigung des Klimawandels ausschließlich im Rahmen der Vereinten Nationen betrieben werden soll oder ob es nicht neue Formen der Zusammenarbeit geben soll. Die Vereinten Nationen waren bislang nicht sehr erfolgreich bei der Lösung der Klimaproblematik. Zu viele Akteure waren beteiligt, zu viele Ausnahmen wurden vereinbart, und die angestrebte internationale technologische Zusammenarbeit hat sich nicht ausreichend entwickelt. Es ist zu überlegen, ob man die großen Verursacher von Treibhausgasen an einen Tisch bringt, um mit ihnen nach technologieorientierten Lösungen zu suchen. Dies könnte viel effektiver im Rahmen einer internationalen Verhandlungsrunde unter den 15 oder 20 größten Verursachern von Treibhausgasen geschehen als im Rahmen der Vereinten Nationen, wo nahezu 200 Staaten verhandeln und eine nicht mehr überschaubare Zahl von Nichtregierungsorganisationen einbezogen werden wollen.

Das Interview führte Martin Geist.
Politologen diskutieren über Klimawandel
Zum 24. Mal überhaupt und zum ersten Mal in Kiel findet vom 21. bis zum 25. September 2009 die Jahrestagung der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft statt. Erwartet werden dazu 700 bis 800 Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik und dem Ausland. Das Thema "Politik im Klimawandel" ist dabei durchaus doppeldeutig. Zum einen geht es darum, die Folgen der unausweichlich scheinenden Erderwärmung auf das Zusammenleben der Völker zu diskutieren. Zum anderen stellen sich die Experten aber auch die Frage, ob dieses globale Problem zu neuen, womöglich wirksameren Formen der internationalen Zusammenarbeit führt. Mit auf dem Podium sitzt bei der Tagung Professor Joachim Krause, Leiter des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel. Er wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit der Klimawandel neue globale Gefahren auslösen kann.
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