Staub der Erkenntnis
Ein gut verzahnter Sonderforschungsbereich der Kieler Uni ist mit seinen Experimenten den Geheimnissen von Plasmen auf der Spur.

Beim Blick in die Röhre sieht der Fachmann im grünen Licht des Lasers die Staubwolke im Plasma. Foto: pur.pur
Das Dustwheel ist ein großes Rad, in dem ein tonnenschwerer Magnet im Kreis gedreht werden kann. An seinem Rücken winden sich zahlreiche blaue Schläuche. »Die sind alle nur dazu da, um den Magneten zu kühlen«, erklärt Dr. Franko Greiner vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik.
Ein Blick zurück: Seit vier Jahren untersucht ein transregionaler, von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderter Sonderforschungsbereich (SFB) in 13 Teilprojekten "Grundlagen komplexer Plasmen". Beteiligt sind neben den beiden Instituten der Kieler Uni – der Experimentellen und Angewandten Physik sowie der Theoretischen Physik und Astrophysik – die Universität Greifswald sowie Wissenschaftler anderer Greifswalder Einrichtungen. Neu unter den eng verzahnten Teilbereichen des gerade um vier weitere Jahre verlängerten SFB ist ein Projekt der Technischen Fakultät in Kiel.

Magnetisiertes Plasma schlägt Wellen, die so genannten "Driftwellen", erklärt Physiker Dr. Franko Greiner anhand seiner Zeichnung. Foto: pur.pur
Plasma und Staub treffen häufig aufeinander: Im Kosmos unter anderem bei der Entstehung von Planeten. Und in der Industrie beispielsweise bei der Produktion von hocheffektiven Solarzellen. Hier ist der Effekt gewollt. Störend kann sich der bei der Herstellung entstandene Staub bei der Produktion von Mikrochips – wie sie in Computern eingesetzt werden – auswirken, weil er dort empfindliche Strukturen zerstören kann.
In Kiel wird untersucht, zu welchen Wechselwirkungen es beim Aufeinander treffen von Staub und Plasma kommt – um das Weltall besser zu verstehen und Technologien zu optimieren.
Beim neuen Dusty-Plasma-Experiment, im Dustwheel, wird in einer Plexiglasröhre Plasma in Schlauchform erzeugt. Durch eine Öffnung kann man in das Innere der Röhre blicken: Das Vakuumgefäß wird leer gepumpt und dann bei ganz niedrigem Druck mit dem Edelgas Argon gefüllt. Über Elektroden wird eine Hochfrequenz angelegt, die Spannung ionisiert das Gas, das heißt, es wird ›zerrissen‹ in Ionen und Elektronen. So entsteht Plasma, das auch als vierter Aggregatzustand – neben fest, flüssig und gasförmig – bezeichnet wird. Um die langgezogene, dreidimensionale Form des Plasmas zu halten, die für dieses Experiment gewünscht ist, braucht es sehr starkes Magnetfeld. Das verwendete Netzteil hat mit einem Handyladegerät wenig gemein, es füllt einen Nebenraum und wartet mit einer elektrischen Leistung auf, die den Heizungsanlagen von 25 Einfamilienhäusern zusammen entspricht. Damit die Kupfer spulen im Magneten nicht durchbrennen, müssen sie hohl sein, so dass ständig kühlendes Wasser hindurchfließen kann. Daher das plätschernde Geräusch im Hintergrund. Langgezogen soll der Schlauch deswegen sein, weil das Plasma hierdurch eine besondere Form der Instabilität, die so genannten »Driftwellen« erzeugt, deren Veränderung durch Staub ebenfalls untersucht wird.

Im "Dustwheel" umschließt der riesige blaue Magnet die Röhre, in der Wechselwirkungen von Plasma und Staub untersucht werden. Foto: pur.pur
Die "Zutaten" für dieses Experiment sind nun vorhanden, die Forschung geht weiter, »die Experimente werden größer, die Staubteilchen kleiner, die Theorie komplizierter«, so Greiner, dem das aber Freude zu bereiten scheint. »Am Anfang war es ein Risikounternehmen. Inzwischen bin ich sicher, dass wir aus den Kinderschuhen hinaus sind. Aber es sind noch viele Fragen offen.«
Jana E. Seidel
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