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unizeit Nr. 56 vom 24.10.2009, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Doppelt Spitze

Klasse im Wettkampf, klasse in der Uni. Studierende Hochleistungssportler müssen im Alltag besondere Herausforderungen bewältigen.


Moana Delle ist auf dem Campus genauso in ihrem Element wie auf dem Surfbrett. Foto: privat

Wenn ihre Kommilitonen sich noch mal wohlig im Bett herumdrehen, schwitzen sie schon an Hanteln oder auf der Laufstrecke. Und wenn die anderen sich in aller Ruhe auf Prüfungen oder Klausuren vorbereiten, powern sie fernab der Heimat in Trainingslagern oder bei Wettkämpfen. Studieren nach Schema F ist für Surferin Moana Delle und Hindernisläufer Steffen Uliczka nicht drin.

Moana Delle schnitt bei der Kieler Woche 2009 überragend ab, ist beste Frau bei der Warnemünder Woche 2009, deutsche Vizemeisterin 2008 und herausragend platziert in zahlreichen weiteren Surf-Konkurrenzen. Steffen Ulicka ist im 3000-Meter-Hindernislauf deutscher Vizemeister 2009, Dritter der Studenten-Weltmeisterschaften und belegte im August bei seinen ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften den 25. Platz. So verschieden ihre Sportarten sind, so einig zeigen sie sich, was den Grundsatz zur Vereinbarkeit von Studium und Sport betrifft. »Mein Studium kann ich zeitlich strecken«, sagt Moana Delle. »Wenn ich aber den Sport zurückschraube, kann ich gleich ganz aufhören.«

Die 20-jährige Könnerin auf dem olympischen RS:X-Board hatte zunächst probiert, beides auf höchstem Niveau zu machen. Als sie vor einem Jahr ihr Geographiestudium aufnahm, absolvierte sie das erste Semester genauso wie alle anderen. Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten, Klausuren und dazu noch täglich fünf Stunden Kraft- und Ausdauertraining oder Übungen am Surfsimulator: Das ging sogar an die Substanz der jungen Frau, die seit ihrem 16. Lebensjahr an die Doppelbelastung von Sport und Ausbildung gewohnt ist, in der zwölften Klasse der besseren sportlichen Möglichkeiten wegen vom heimischen Kreis Soest ins Haus der Athleten nach Schilksee zog und trotz allem ein Abitur mit 1,9 hinlegte. »Voll zu studieren, ist in meiner Situation sehr, sehr stressig und im Sommer überhaupt nicht umzusetzen«, befindet Moana Delle, die inzwischen studienmäßig einen Gang heruntergeschaltet hat. Denn gerade in der Surfsaison, wenn Wettkämpfe in der ganzen Welt anstehen, kann die Spitzensportlerin unmöglich ihre Präsenz auf dem Campus ständig aufrechterhalten.

3000-Meter-Hindernisläufer Steffen Uliczka absolviert im Winterhalbjahr gern und erfolgreich Crossläufe.
Foto: privat

Ähnlich ergeht es Steffen Uliczka, der im fünften Semester Agrarwissenschaften studiert und davon ausgeht, dass er seinen Bachelor erst nach acht und nicht wie im Studienplan vorgesehen nach sechs Semestern in der Tasche haben wird. »Dabei bin ich gegenüber Moana eigentlich noch privilegiert«, sagt der Läufer, der in seinem Trainingsalltag auf wenig Infrastruktur angewiesen ist. Das Sportzentrum der Uni hat er vor der Haustür, und zum Laufen geht es zweimal am Tag mehr oder weniger vom Campus weg – Kilometer um Kilometer hinaus ins Projensdorfer Gehölz. Der 25-Jährige hat dabei im Wesentlichen nur mit dem Problem der Einsamkeit des Langstreckenläufers zu kämpfen. »In einer Gruppe zu trainieren, würde viel mehr Spaß und Motivation bringen«, sagt er. Doch "leider" ist Uliczka so schnell, dass er in Kiel allen anderen davonrennt.

Abgesehen vom nicht ganz so hohen Tempo beim Studium hat der Leichtathlet auch unter dem akademischen Aspekt wenig Kummer. »Es ist sicher ein Vorteil, dass die Agrarwissenschaftler schon vor Jahren auf Bachelor und Master umgestiegen sind und vieles entspannter handhaben als Fakultäten, die neu dabei sind«, glaubt Uliczka, der beim Verlegen von Prüfungs- oder Klausurterminen kaum auf Schwierigkeiten stößt. Geht es jedoch im Sommer ins Trainingslager, dann ist nach seiner Erfahrung ans Studium nicht zu denken: »Auch wenn man sich zehnmal vornimmt, nebenbei etwas für die Uni zu tun. Man ist einfach so fertig, dass man absolut keinen Kopf dafür hat.«

Köpfchen haben sowohl Moana Delle als auch Steffen Uliczka ansonsten durchaus. Mit ihren Leistungen im Studium halten beide locker mit. Und das gibt ihnen die Gelassenheit, den Sport nicht mit ungesunder Verbissenheit oder gar verbotenen Substanzen zu betreiben. Nach dem Spitzensport wartet auf sie schließlich ein Leben mit vielen Perspektiven und Herausforderungen.

Martin Geist
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