Sport gut, alles gut
Wie die Universität ihre Top-Athleten unterstützt, darüber sprach unizeit mit Bernd Lange vom Sportzentrum.

Bernd Lange. Foto: mag
Bernd Lange: Hochleistungssportler sind fast immer auch gute Studenten. Das hat nach meiner Erfahrung viel mit ihrer Persönlichkeitsstruktur zu tun. Wer Sport auf Spitzenniveau treibt, ist leistungsbereit, ehrgeizig und sehr gut strukturiert. Und das in allen Lebensbereichen, weil es sonst gar nicht funktionieren würde.
Trotzdem bringt eine solche Doppelbelastung ja besondere Herausforderungen mit sich.
Das ist nicht wegzudiskutieren. Dass unsere sportlich herausragenden Studierenden an der Uni die geforderten Leistungen nicht erbringen können, ist eigentlich nie das Problem, wohl aber der zeitliche Faktor. Gerade Segler oder auch Surferinnen wie Moana Delle müssen sich im Sommer oft tage- oder wochenlang im Ausland aufhalten, um in der Spitze mithalten zu können. Präsenzpflichten in Seminaren oder fixe Prüfungstermine lassen sich damit kaum vereinbaren.
Kann die Uni Kiel in solchen Fällen helfen?
Schon im Jahr 2002 haben wir damit begonnen, Leistungssportler, das heißt A-, B- und C-Kadermitglieder der olympischen Fachverbände gezielt in Fragen des Studiums zu unterstützen. Seit 2006 dürfen wir uns offiziell "Partnerhochschule des Spitzensports" nennen. Daran sind der Deutsche Olympische Sportbund mit seinem Olympia-Stützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein und der Allgemeine Deutsche Hochschulverband beteiligt, die sich im Ziel absolut einig sind: Die Vereinbarkeit Vereinbarkeit von Studium und Sport soll so gut es geht gefördert werden. Wie funktioniert das praktisch? In Kiel studieren zurzeit 20 junge Frauen und Männer, die gleichzeitig Leistungssport machen. Mit gut 50 Prozent ist dabei der Segelsport inklusive Surfen vertreten, der Rest sind überwiegend Beachvolleyballer und ein Leichtathlet. Als Partnerhochschule des Spitzensports bemühen wir uns, diesen Athleten einen Studienablauf zu ermöglichen, der so flexibel ist, wie es ihre jeweilige Situation erfordert, um Wettkampf- und Studienzeiten in Einklang zu bringen. Mit gutem Willen lassen sich eigentlich auch immer Lösungen finden, wenn Prüfungs- oder Klausurtermine nicht wahrgenommen werden können.
Besteht auf solches Entgegenkommen ein rechtlicher Anspruch?
Nein, das geht nicht. Sonderregelungen müssen immer mit den jeweiligen Professoren oder Dozenten abgesprochen werden. Wenn es dabei einmal zu Problemen kommen sollte, ist vorgesehen, dass das Präsidium der Uni sich vermittelnd einschaltet. Das war bisher aber noch kein einziges Mal notwendig. Wir raten unseren studierenden Spitzensportlern, sich mit ihrem Professor oder ihrer Professorin in Verbindung zu setzen, sobald Interessenkollisionen zwischen sportlichen und universitären Verpflichtungen absehbar sind. Rechtzeitig mit den richtigen Menschen zu sprechen, ist das A und O.
Sehen Sie für studierende Spitzensportler einzelne Probleme, die Sie gerne gelöst haben würden?
Ja, besonders für die Seglerinnen und Segler. Kiel ist in dieser Sportart der einzige Trainingsstützpunkt für die olympischen Segelklassen in Deutschland. Wer studieren will, muss sich also hier einen Studienplatz suchen. In Fächern mit Zulassungsbeschränkungen kann das aber manchmal sehr schwierig werden. Die Betroffenen geraten dann in die Lage, sich für den Sport oder fürs Studium in einer anderen Stadt entscheiden zu müssen. Um das zu vermeiden, würde ich mir ein kleines Sonderkontingent für Kadersportler wünschen. Das ist nicht ganz einfach, weil die CAU das nicht allein bewerkstelligen kann, sondern der Gesetzgeber handeln muss. Wir haben das bereits angeregt. Eine weitere neue Herausforderung ergibt die neue Situation aufgrund der Bachelor/Master-Struktur. Hier werden wir sicher in der nächsten Zeit noch weiteren Unterstützungsbedarf entdecken.
Das Interview führte Martin Geist
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