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unizeit Nr. 56 vom 24.10.2009, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Splitter: Von Saturn bis Korn

Auch wenn die meisten Menschen gern besonders individuell wären, sie können es kaum wirklich sein, weil sie gar zu zahlreich diesen Globus bevölkern. Dies mag eine Erklärung dafür sein, dass Rituale in unserer Gesellschaft wie eh und je ihren festen Platz haben.

Auch an der Uni. Immer dann, wenn es nach der vorlesungsfreien Zeit wieder gehäuft in die Hörsäle, Seminarräume und Labore geht, finden sich traditionsbewusste Kommilitonen, die der Meinung sind: Das muss gefeiert werden. So wie man jeden Anfang feiert – die Geburt, die Einschulung, die Eheschließung und sogar den eines neuen Lebensjahres – gehört eben auch der Semesteranfang auf gesellige Weise gewürdigt.

Ein bisschen individuell darf es dabei durchaus zugehen. Schon deshalb, weil die Auftaktpartys längst nicht mehr nur in universitären Räumlichkeiten steigen, sondern auch in der kaufmännisch rechnenden Gastronomie, ist ein flotter Slogan schon die halbe Miete für einen vollen Saal. Ob die Einfälle der jeweils zuständigen Fach- und Körperschaften lustig oder eher doof sind, darüber kann zwar gestritten werden, originell sind sie aber allemal.

Und sie zeugen von teils beachtlichem werbestrategischem Geschick. Die "Wurzelspülung" der Zahnmediziner oder auch die "Kernfusion" der Physiker sind im Sprachalltag so negativ besetzt, dass sie im Zusammenhang mit einer Party schon wieder aufhorchen lassen. Andererseits lassen es die Veranstalter nicht an Mut zum Derben oder schlichtweg Albernen fehlen. Die "Sportlerpaady" hat sich auf dem Campus zum stehenden Begriff mit der Tendenz zum dritten "a" gemausert, und bei den Romanisten und Anglisten lautet das Motto auch schon mal TTT ("Trinken, Tanzen, Torkeln"). Wirklich passend ist die Devise der Agrarwissenschaftler, bei denen es "Born for Korn" heißt. Und auch die "Psychopathie" der Seelenkundler hat durchaus Charme.

Doch trotz aller Bemühungen um den Humor bietet die Kieler Studentenpartylandschaft nach wie vor Raum für den Intellekt. Besondere Ehre gebührt in dieser Hinsicht der Fachschaft Klassische Philologie mit ihren "Saturnalien". Die haben nichts mit Elektromarkt zu tun, sondern mit den alten Römern, die damit schon vor 2000 Jahren ihrem Gott Saturn huldigten.

Martin Geist
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