Mit dem Latein am Ende
Warum der Erwerb des Latinums in der Schule noch immer von großem Vorteil ist.

Foto: Digital Stock
Der Stellenwert von Latein wird oft unterschätzt, sowohl von Lehrern als auch von Eltern und Schülern. Latein gilt oft als angestaubtes, unnützes Wissen, das man nach der Schule nie wieder braucht. Allerdings ist es an vielen Universitäten Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium der Geisteswissenschaften oder Theologie, für Medizin und Jura übrigens zumeist nicht mehr.
»Die Beratung von Schülern und Eltern findet im Rahmen von Schnupperstunden sowie an einem Elternabend statt«, erklärt Stephan Schmidt, Lehrer an der Isarno-Schule Gettorf. »Beim Übergang in die Oberstufe findet nochmals eine Beratung zu Latinumszeugnissen statt.«
Eine Ausnahmeerscheinung ist die Kieler Gelehrtenschule. Hier lernen die Schüler noch vor Englisch Latein als 1. Fremdsprache. »Die Beratung wird von den entsprechenden Stufenleitern und Fachlehrkräften durchgeführt«, so Rainer Schöneich, Rektor des Gymnasiums und Vorsitzender des Landesverbandes des Deutschen Altphilologenverbandes in Schleswig-Holstein. »Es ist festzuhalten, dass bundesweit seit 2001 die Zahl der Schüler, die Latein lernen wollen, beständig gestiegen ist. Daher besteht in vielen Bundesländern ein Mangel an Lehrkräften. So auch in Schleswig- Holstein«, bedauert Schöneich. Den Schulen fällt es oft schwer, die seit Jahren steigende Nachfrage mit genügend Angeboten aufzufangen: »Immer öfter werden fachfremde Lehrer, zum Beispiel für Englisch oder Geschichte, in einer zweijährigen Zusatzqualifikation für den Lateinunterricht weitergebildet«, sagt Dr. Gerhard Hey vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH). Es entsteht eine Endlosschleife: Zu wenig Schüler lernen Latein in der Schule, somit fehlen später an der Universität die Fachstudenten und wiederum zukünftige Lateinlehrer.
Für Studierende ohne Latinum bieten die Universitäten Sprachkurse an. »Die Nachfrage ist sehr groß – so sehr, dass wir immer wieder zusätzliche Lehraufträge beantragen müssen«, so Dr. Florian Hurka vom Institut für Klassische Altertumskunde an der CAU Kiel. Um das Angebot der Universität zu unterstützen, bietet auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) Intensivkurse in den Semesterferien an. Studierende haben somit die Möglichkeit, parallel zum Studium das Latinum nachzuholen, was jedoch kein Zuckerschlecken ist. »Das Nachlernen nimmt viel Zeit in Anspruch. Zeit, die ich gern für mein eigentliches Studium nutzen würde. Da auch mein BAföG von der Studiendauer abhängig ist, bin ich oft unter Leistungsdruck und hoffe, bald das Latinum in der Tasche zu haben«, berichtet ein Student aus dem Fach Geschichte.
Zwar wurden in einigen Studiengängen an der CAU Kiel die Anforderungen gesenkt, Rainer Schöneich weist jedoch auf die ländertypischen Unterschiede hin: »Da Studierende heutzutage ihren Studienort wechseln (müssen), ist es durchaus nützlich, den Blick über die Landesgrenzen schweifen zu lassen.« An anderen Universitäten in Deutschland können die Verordnungen schon wieder ganz anders aussehen.
Es wird deutlich, dass das Latinum für ein späteres Hochschulstudium oft notwendig ist, besonders im Bereich der Geisteswissenschaften. Eine frühzeitige und umfassende Beratung durch Schulen und Universitäten ist also wichtig und kann später viel Frust und Unlust am Lateinpauken ersparen.
Anne Spaller
Lateinkurse in den Semesterferien
Das Institut für Klassische Altertumskunde sowie der AStA der CAU bieten in den Semesterferien Intensivkurse zum Erwerb des Latinums an. Während die Kurse der Universität nur für Studierende vorgesehen sind, stehen die Ferienkurse des AStA auch Schülern und Schülerinnen zur Vorbereitung auf das Studium offen. Zu Redaktionsschluss standen die genauen Termine für die nächsten Kurse noch nicht fest. Informationen erteilen der AStA (info@asta.uni-kiel.de) und das Institut für Klassische Altertumskunde (udenkert@email. uni-kiel.de).
Für welche Fächer man Latein braucht, steht in der Studienqualifikationssatzung:
www.uni-kiel.de/140/sta/0-1-3.pdf
Für welche Fächer man Latein braucht, steht in der Studienqualifikationssatzung:
www.uni-kiel.de/140/sta/0-1-3.pdf
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