»Mein Haus ist voller Schätze«
Marlene Kaeding wohnt in der Lübecker Altstadt in einem Haus, dessen Geschichte 700 Jahre zurückreicht.

In vielen Lübecker Altstadthäusern sind Wände und Decken bemalt. Ein kunsthistorisches Forschungsprojekt hat die bekannten Malereien systematisch erfasst. Foto: pur.pur
So ist es auch bei Marlene Kaeding, die sich 2001 ihren Haustraum erfüllt hat. Ihre grau gestrichene Diele gibt ihre Geheimnisse nur dem Kenner preis. Von einer Restauratorin hat Kaeding dort kleine Felder freilegen lassen: Blumenornamente spitzen da hervor, und auf der Tür unter der Treppe wächst aus einem Kübel ein Orangenbäumchen. »Es wäre sehr teuer, alles freizulegen – und man müsste ständig darauf achten, nirgends anzustoßen«, sagt die Hausbesitzerin. Wie prachtvoll das Haus einmal gewesen sein muss, ahnt man im ersten Zimmer des Seitenflügels. Die Balkendecke ist vollständig bemalt. Farbige Ornamente umgeben Medaillons, auf denen Landschaftsbilder abwechseln mit Putten, die Attribute der vier Jahreszeiten tragen.

Bauhistoriker Michael Scheftel zeigt eine
Decke mit Landschaftsbildern aus der Zeit um 1700.
»Erfasst sind alle Häuser, die bereits saniert wurden«, erklärt Dr. Annegret Möhlenkamp von der Denkmalpflege in Lübeck. Die Zusammenarbeit mit der CAU sei für sie eine wertvolle Hilfe: »Als städtische Behörde können wir keine DFG-Gelder beantragen, außerdem behalten wir so den Kontakt zur aktuellen Forschung.« Über den einzigartigen Lübecker Bestand seien schon einige Magister- und Studienarbeiten geschrieben worden.

Das Restaurieren der Malereien ist aufwändig, daher werden oft nur kleine Ausschnitte freigelegt.
»Die Ornamente helfen uns, eine Malerei zeitlich einzuordnen«, erklärt Annegret Möhlenkamp. »Durch das Forschungsprojekt haben wir jetzt eine zeitliche Reihenfolge von Ornamenten – wenn wir in Zukunft Wandmalerei in einem Haus finden, können wir sie damit datieren.« Den Experten reiche schon ein kleines Fragment, um ein Ornament zu erkennen. »Das ist der Vorteil gegenüber der figürlichen Malerei, wo es bei Fragmenten oft schwierig ist, die Szene zu deuten.« So ist es zum Beispiel bei Familie Butt, die seit anderthalb Jahren in einem Altstadt-Haus wohnt. »Wir haben ab 2006 zunächst das Haus hergerichtet, die Malerei ist noch nicht restauriert«, sagt Dr. Kaschlin Butt. Oben an der Dielenwand ist eine Hand zu erkennen, aber der Rest der Malerei ist unvollständig und für Laien nicht zu entziffern.

Vor der Sanierung: In vielen Häusern ist die
Malerei noch nicht konserviert.
Ein historisches Gebäude zu bewohnen, bringt Kosten und Verpflichtungen mit sich. Doch viel wichtiger ist den Eigentümern die Faszination der alten Häuser, die in jeder Schicht ein Stück Geschichte offenbaren. Marlene Kaeding: »Das Sanieren ist anstrengend – aber ich habe die Entscheidung nie bereut.«
Eva-Maria Karpf
Zuständig für die Pflege dieser Seite:
Pressestelle der Universität,
presse@uv.uni-kiel.de





