Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,die Ausstellung »Frauen, die forschen«, die im Wissenschaftspark eröffnet wird, gibt Pionierinnen eine Bühne, darunter auch Christiane Nüsslein-Volhard, die erste deutsche Nobelpreisträgerin aus der Wissenschaft. Sie ist eine Ausnahmeerscheinung. Top-Wissenschaftlerinnen dürfen jedoch keine Ausnahmeerscheinung bleiben. Gerade an der Kieler Universität haben wir einen enormen Nachholbedarf an Professorinnen.
Liegt die Quote erfolgreicher Frauen bei den Universitätsabschlüssen und Promotionen noch etwa bei der Hälfte, so bricht die Statistik dann tief ein: Nur 14 Prozent der Wissenschaftler, die nach Erlangen des Doktorgrades weitermachen, um gezielt eine Karriere an der Universität einzuschlagen, sind Frauen. Ein wenig besser liest sich der Anteil der Juniorprofessorinnen. Auf diesem Weg zur ordentlichen Professur, der keine Habilitation voraussetzt, liegt der Frauenanteil in Kiel immerhin bei 34 Prozent.
Wollen wir die hohen Anforderungen bewältigen, die vor uns liegen, benötigen wir eine große Bandbreite an Vielfalt und Kreativität. Niemand kann es sich leisten, das Potenzial an weiblicher Kraft, das in der Wissenschaft derart unvollständig ausgeschöpft wird, zu vernachlässigen. Deshalb haben wir ein Mentoring- und Coachingprogramm aufgelegt, das den Frauen Unterstützung bei der Reflexion ihrer Forschungsarbeit und bei der Karriereplanung gibt. Werden Professorenstellen ausgeschrieben, fordern wir qualifizierte Frauen gezielt auf, sich zu bewerben. Dass im Endeffekt im Auswahlverfahren nur die Leistung zählt, versteht sich von selbst! Frauen, die einen Ruf erhalten haben, unterstützen wir bei der Organisation der Familie und helfen dem Partner, seine Karriere von Kiel aus weiter zu verfolgen.
Trotz all dieser Aktivitäten ist es noch ein langer Weg zu einer wirklichen Gleichstellung in der Wissenschaftsgemeinschaft. Mögen die Nobelpreisträgerin und die anderen in der Ausstellung porträtierten Frauen möglichst vielen Mut machen!
Professor Gerhard Fouquet
Universitätspräsident
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