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unizeit Nr. 59 vom 10.04.2010, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Splitter: Spionage sei Dank

Die Arbeit des Archäologen kann mitunter mühsam sein. Wie soll er jahrtausendealten Siedlungsstrukturen auf die Spur kommen, wenn ihn nicht gerade der Tipp eines Einheimischen oder der zufällige Fund einiger Scherben auf die richtige Stelle aufmerksam macht? Mitunter entsteht zudem der Eindruck: Je interessanter das zu erforschende Gebiet und die potenziell in ihm schlummernden Schätze – sei es im wörtlichen oder im übertragenen Sinne –, desto mehr Steine werden dem Forscher in den Weg gelegt.

Besonders kreativ sind in dieser Hinsicht manche Länder im Nahen Osten. Nicht genug damit, dass sich in der bereits weit vor Beginn unserer Zeitrechnung besiedelten Region das Antlitz ganzer Landstriche in den letzten Jahrzehnten durch Verstädterung und intensivierte Landwirtschaft vollkommen gewandelt hat. Einige Länder überbieten sich auch noch im Anlegen immer größerer Stauseen, die ausgerechnet die seit Urzeiten besiedelten und damit für Archäologen besonders interessanten Ufergebiete der Flüsse überfluten.

Während die Pegel der Stauseen steigen und immer mehr Äcker angelegt werden, sieht der Archäologe entgeistert, wie uralte Siedlungsreste untergepflügt werden oder auf Nimmerwiedersehen in den trüben Fluten verschwinden. Auf Nimmerwiedersehen? Nein, denn Hilfe naht: Uncle Sam lässt die Forscher für eine Hand voll Dollar in seine Fotoalben gucken. Darin stecken die Bilder von Spionagesatelliten der NASA, die im Kalten Krieg weite Teile Asiens überflogen, um Militär und Geheimdiensten Erkenntnisse über das Gebiet hinter dem Eisernen Vorhang zu ermöglichen. Dabei nahmen sie auch die damals noch trockenen Flussniederungen auf. Ob die mesopotamischen Siedler sich der heutigen Archäologen-Sorgen vor 5000 Jahren bereits bewusst waren, darf bezweifelt werden. Trotzdem erbauten sie ihre Siedlungen so, dass auch das neuzeitliche Satellitenauge ihre Überreste noch sieht – zumindest, bevor sie einem Acker oder Stausee zum Opfer fallen. Den Archäologen freut es: Dank des Kalten Krieges kann er nun weit in die Vergangenheit schauen und versunkene Siedlungsstrukturen studieren.

Jirka Niklas Menke
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