CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 62Seite 7
Nr. 62, 23.10.2010  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Einwurf: Fettarm verführt

Butter, Margarine, Joghurt, Chips, Wurst und Käse – fast alle fetthaltigen Lebensmittel gibt es heute in einer leichten Variante. Dünner werden die Deutschen deshalb noch lange nicht. Warum das so ist, erklärt Professor Manfred James Müller, Direktor des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde an der CAU.


Manfred James Müller Foto: privat

unizeit: Fettreduzierte Lebensmittel nehmen einen großen Raum im Supermarkt ein. Helfen diese Light-Produkte überhaupt beim Abnehmen?
Manfred James Müller: Theoretisch ja, praktisch nein. Das liegt zum einen daran, dass Verbraucher fettarme Produkte nur aus einzelnen Segmenten auswählen, etwa fettarme Milch, während sie gleichzeitig Käse mit normalem Fettgehalt essen und von diesem dann vielleicht sogar mehr. Zum anderen suggerieren fettarme Produkte Unbedenklichkeit. Die eigentliche Botschaft »weniger essen« gerät so in Vergessenheit. In der Summe aller Lebensmittel sparen wir durch fettarme kaum oder gar keine Kalorien ein.

Wie erklären Sie sich, dass mit wachsendem Light-Sortiment auch der Anteil der Fettleibigen in unserer Gesellschaft wächst?
Die Wahrnehmung beziehungsweise Wertschätzung von fettarmen Lebensmitteln ist zwiespältig. Sie sind, so die Annahme, vielleicht gut und gesund, schmecken aber nicht so gut. Bei den meisten Verbrauchern erfüllen sie eher eine Alibifunktion.

Wo würden Sie persönlich einer fettarmen Variante den Vorzug geben?
Fettarme Lebensmittel haben einen hohen Stellenwert in der diätetischen Behandlung von Patienten mit hohen Cholesterinspiegeln, zum Beispiel auch nach einem Herzinfarkt. Glücklicherweise bin ich gesund. Ich brauche persönlich auch keine speziellen von der Industrie gefertigten fettarmen Produkte. Natürlicherweise fettarme Lebensmittel wie Obst und Gemüse esse ich mit Freude. Die Botschaft lautet hier »five a day«, also fünf Portionen am Tag. (ne)
Top  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 


Zuständig für die Pflege dieser Seite: unizeit-Redaktion   ► unizeit@uni-kiel.de