CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 62Seite 8
Nr. 62, 23.10.2010  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Minimaler Eingriff für maximale Sicht

Kieler Mediziner haben sich auf lasergestützte Behandlungen von Netzhaut­erkrankungen spezialisiert. Damit versuchen sie, die Sehkraft zu erhalten oder zu verbessern und gleichzeitig das Auge zu schonen.


Regelmäßige Besuche beim Augenarzt können helfen, bleibende Schäden zu vermeiden. Foto: iStockphoto

Die Wartezimmer in der Universitäts-Augenklinik sind stets gut gefüllt. Mehr als 20.000 Patienten werden hier jährlich untersucht und behandelt. Hinzu kommen zahlreiche Notfallpatienten. Professor Johann Roider und sein Team behandeln viele verschiedene Erkrankungen der Netzhaut (Retina), also des hinteren Augenabschnittes. Hierzu zählen die Diabetische Retinopathie (DRP), die Retinale Venen­astthrombose (Venenverschluss des Auges), die Alters­abhängige Makuladegeneration (AMD) und die Retinopathia Centralis Serosa (RCS).

Diesen Augenerkrankungen ist gemeinsam, dass sich Flüssigkeit in der Netzhaut ansammelt und dadurch das Sehen schlechter wird. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das retinale Pigmentepithel (RPE), eine für die Netzhaut lebenswichtige Zellschicht. Sie versorgt die innere Netzhautschicht mit Nährstoffen und reguliert den Flüssigkeitsaustausch zwischen Fotorezeptoren und Aderhaut. Aber nicht immer funktioniert das reibungslos. So können zum Beispiel Blutgefäße zwischen Aderhaut und Fotorezeptoren (Lichtsinneszellen) wuchern und die Versorgung der wichtigen Sinneszellen blockieren. Flüssigkeit kann in die Netzhaut eintreten und die Sicht extrem trüben.

Durch regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt lassen sich diese krankhaften Prozesse im Augenhintergrund frühzeitig erkennen. Zur Behandlung werden in Kiel verschiedene Laserverfahren angewendet. Ein Verfahren ist die Selektive Retinatherapie (SRT). Ein anderes Verfahren, das zurzeit durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird, ist die so genannte temperaturkontrollierte Laserkoagulation, ein Verfahren, bei dem die Temperatur während der Laserbehandlung gemessen wird, um die Netzhaut möglichst zu schonen. Dabei kommen verschiedene in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Laserzentrum Lübeck entwickelte Laser zum Einsatz.

Nach einer gründlichen Voruntersuchung bekommt der Patient ein Kontaktglas aufgesetzt, durch das der Laser ins Augeninnere blitzt. Bei der SRT erzeugt der Laser dabei schnell aufeinander folgende Impulse. Durch die gepulste Anwendung können sich die Zellen des Pigmentepithels (RPE-Zellen) nach jedem Puls abkühlen, so dass es zu keiner Erhitzung des bestrahlten Gewebes kommt und somit benachbarte Strukturen (zum Beispiel die Fotorezeptoren) nicht zerstört werden. Für Professor Roider ein ganz klarer Vorteil: »Bei einer konventionellen Lasertherapie werden die Photorezeptoren unwiederbringlich zerstört.« Die Behandlung ist kurz und schmerzfrei, in der Folgezeit setzt die natürliche Heilung ein, bei der gesunde RPE-Zellen die kranken nach und nach ersetzen.

Die SRT ist nur eine von mehreren laserbasierten Therapiemethoden, für die Professor Roider lieber den Oberbegriff minimalinvasive (das heißt durch minimale Eingriffe gekennzeichnete) Lasertherapie gebraucht. Vollständig heilbar sind Netzhauterkrankungen nicht und dennoch sind die Behandlungserfolge heute so gut wie noch nie. Ein im wahrsten Sinne des Wortes sichtbarer Effekt stellt sich je nach Krankheitsverlauf zum Beispiel beim Krankheitsbild der Retinopathia Centralis Serosa nach zwei Wochen bis drei Monaten ein. »Der graue Fleck im Zentrum des Gesichtsfeldes wird kleiner, in vielen Fällen erkennen die Patienten wieder Gesichter«, so Professor Roider.

Michael Wieczorek
Die Netzhaut
Der Augenhintergrund ist der Bereich im Auge, der dafür sorgt, dass wir die einfallenden Lichtstrahlen als Bild erkennen. Er ist weniger als 1 Millimeter dick und besteht aus verschiedenen Schichten, der Aderhaut, dem retinalen Pigmentepithel und der neurosensorischen Netzhaut. Sie beherbergt unter anderem die Photorezeptoren, also die lichtempfindlichen Zellen, die Lichtreize in Nervenimpulse umwandeln. Dazu gehören die Stäbchen und Zapfen. Die Zapfen ermöglichen das Sehen von Farben und das Erkennen von kleinen Objekten. Die Stäbchen treten vorwiegend nachts in Aktion, weil sie das Sehen bei schlechter Beleuchtung ermöglichen. Die höchste Konzentration von Zapfen befindet sich im so genannten Gelben Fleck, der Netzhautregion des scharfen Sehens. (ne)
Top  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 


Zuständig für die Pflege dieser Seite: unizeit-Redaktion   ► unizeit@uni-kiel.de