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Nr. 63, 11.12.2010  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Das verflixte 25. Jahr

Knapp ein Viertel aller Ehen werden um die Zeit der Silberhochzeit geschieden. Wie das kommt und wie man es verhindert, erklärt der Psychotherapeut Professor Wolf Dieter Gerber.


Ein gemeinsames Hobby bringt Schwung in die Partnerschaft, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Foto: iStockphoto

Wolf Dieter Gerber leitet das Institut für Medizinische Psychologie der Kieler Uni, an dem Ärzte auf die psychologische Seite ihres Berufs vorbereitet werden. Daneben berät der Professor auch viele Ehepaare in seiner Privatambulanz. »Der Grund für eine Trennung im Alter entspricht selten dem Klischee, dass der Mann sich eine Jüngere anlacht«, so Gerbers Erkenntnis. »Der eigentliche Grund ist das leere Nest, wenn die Kinder ausgezogen sind.« Wurde vorher alles um die Kinder herum ge plant, fehlt diese Basis jetzt. Bis Enkelkinder die Lücke füllen, wird es noch Jahre dauern. So ist das Paar auf eine Zweierbeziehung reduziert, die lange zu kurz kam. Kommen dann noch Krisen wie die Wechseljahre oder der Übergang in den Ruhestand hinzu, könne das für viele Paare das Aus bedeuten, berichtet Gerber, der bei einem Vortrag am 24. Januar ausführlich auf Probleme und Lösungen für die Partnerschaft im Alter eingehen wird.

So rät er, die Flinte nicht gleich ins Korn zu werfen. »Scheidungen sind eine starke Belastung für den Organismus, mit juristischen Auseinandersetzungen, Einsamkeit, Stress und Schmerzen.« Dabei könnten eine bessere Kommunikation und der gemeinsame Blick in die Zukunft helfen, den neuen Lebensabschnitt zu meistern. »Manche Menschen wissen gar nicht, was ihr Partner mag«, hat Gerber festgestellt. »Seit der Hochzeit haben sich beide verändert und weiterentwickelt.« Daher müsse man sich wieder kennen lernen, sich neu ineinander verlieben. Es helfe, gemeinsame Hobbys aufzufrischen oder neue anzufangen. »Tanzen, Golf, Reisen, gemeinsam eine Sprache lernen«, lauten einige von Gerbers Vorschlägen. Wichtig sei auch die Zukunftsplanung: »Brauchen wir noch das große Haus, das große Auto? Wie wollen wir in Zukunft leben?« Zur Planung gehöre, aufzuräumen und sich von alten Sachen zu trennen.

So wichtig gemeinsame Aktivitäten sind – jeder Partner müsse auch in der Lage sein, etwas allein zu unternehmen, betont Gerber. Das bereite vor auf eine Situation, die viele verdrängen und die doch eintreten wird: den Tod des geliebten Menschen. »Wenn Paare zu stark voneinander abhängig sind, macht das den Trauerprozess sehr schwierig«, so Gerbers Erfahrung. »Gerade Männer sind oft sozial nicht integriert, sie überlassen die Kontaktpflege ihren Frauen.« Die Folge können gesundheitliche Probleme sein, wenn die Partnerin plötzlich nicht mehr da ist.

Eine weitere Herausforderung für ältere Paare sind Feiertage. »Weihnachten ist für viele Familien belastend, weil an den Feiertagen Konflikte ausgetragen werden«, sagt Wolf Dieter Gerber. Oft fängt es schon bei der Terminplanung an: Wann kommen die Kinder zu Besuch? Wollen sie auch die Familie ihrer Partner treffen? »Ich würde immer empfehlen, jeden da feiern zu lassen, wo er möchte«, so Gerber. »So wahrt man auch die eigene Autonomie. « Aus eigener Erfahrung weiß er, dass sich Weihnachten auch zu zweit genießen lässt. »Wenn man dann noch über die Feiertage verreist, erspart man sich eine Menge Arbeit und hat Zeit zum Ausruhen.«

Eva-Maria Karpf

Im Internet: www.lebensstilaenderung.de
Alter, Gesundheit und aktiver Lebensstil
Seit dem Wintersemester 2004/05 bietet der Arbeitskreis »Gesundheitsförderung und Lebensstiländerung « jährlich eine Ringvorlesung über die Chancen und Tücken des Altwerdens an. Zum siebten Mal halten in diesem Semester Kieler Fachleute aus verschiedenen Disziplinen ihre Vorträge mit anschließender Fragerunde. »Je nach Thema kommen 250 bis 300 Leute«, sagt Professor Jan Peters Janssen, der den Arbeitskreis 1998 gemeinsam mit Kollegen aus Medizin und Sportmedizin gegründet hat. Anfangs organisierte man Kongresse und Seminare, doch dann entstand der Wunsch, die breite Öffentlichkeit über neue Erkenntnisse aus der Altersforschung zu informieren. »Wir befassen uns mit medizinischen Fragen und der Prävention von Alterskrankheiten, schauen aber auch über den Tellerrand«, erklärt Janssen. So kamen im Lauf der Zeit etwa Theologen, Soziologen und Ernährungswissenschaftler zu Wort. Janssen geht davon aus, dass die Ringvorlesung noch viele Wintersemester besucht werden kann: »Es gibt noch reichlich Stoff.« (emk)
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