Geografen betreten Neuland
Die Online-Zeitschrift GeoZeit wird von Studierenden gemacht – als Teil ihres Geographie-Studiums.
Theresa Warnk wollte wissen, ob man einen Fleischesser wie ihren Freund Erik Lohmann in einem veganen Restaurant satt bekommt. Das gemeinsame Experiment machten die beiden Studierenden nicht zum Privatvergnügen: Ziel war ein Beitrag für die GeoZeit, die Online-Zeitschrift der Arbeitsgruppe »Geographie und Medien«. Seit zwei Jahren lernen Studierende bei Professor Christoph Corves, wie man Themen recherchiert, Interviews führt, Fotorechte abklärt und Artikel über ein Redaktionssystem im Internet veröffentlicht. Die ersten Redaktionsteams mit 20 bis 25 Studierenden waren jeweils zwei Semester dabei, inzwischen wurde der Kurs auf ein Semester verdichtet.
»Journalistisches Wissen kann man im Beruf später gut brauchen«, begründet Erik Lohmann seine Entscheidung für die GeoZeit als Studienleistung. Theresa Warnk weiß aus ihrer eigenen ehrenamtlichen Arbeit, wie wichtig Öffentlichkeitsarbeit für Organisationen wie BUND oder Greenpeace ist. »Nach der Schülerzeitung war die GeoZeit deshalb der nächste Schritt.« Solche Überlegungen waren es auch, die Christoph Corves auf die Idee der Online-Zeitschrift brachten. »Printprodukte werden von dieser Altersgruppe kaum gelesen, die meisten informieren sich online«, sagt der Wissenschaftler, der sich auch als Dokumentarfilmer einen Namen gemacht hat. »Außerdem eignet sich das Internet für viele Medienarten wie Texte, Bilder oder Videos – jeder kann sein Talent einbringen.«
Nach einer Einführung in die journalistischen Formen wie Reportage, Feature oder Interview bilden die Studierenden »Dossierteams«. Jeweils vier bis fünf bearbeiten einen Schwerpunkt und überlegen sich, welche Artikel, Fotofilme und Videos sie dazu anbieten möchten. Zwei bebilderte Beiträge pro Semester sind für jeden GeoZeit-Redakteur Pflicht. Beraten werden sie dabei von Rolf Hermann. Der Absolvent hat vor seinem Studium ein Zeitungsvolontariat abgeschlossen und fungiert als »Chef vom Dienst« der GeoZeit. »Die ersten Artikel sind oft noch wie Hausarbeiten, manche haben sogar Fußnoten«, erzählt Rolf Hermann mit einem Schmunzeln. »Da versuchen wir dann mit den Studenten herauszuarbeiten, was in den Beitrag gehört und was besser in einen Infokasten kommt.« Theresa Warnk ergänzt: »Mit der Zeit lernt man, nicht nur für den Professor zu schreiben, sondern für alle.«
Ein großer Teil der Artikel befasst sich mit Nachhaltigkeit im weitesten Sinne, was Christoph Corves nicht überrascht: »Viele interessieren sich dafür, aber im Lehrplan steht es nicht.« Bei der GeoZeit können Studierende herausfinden, wie sich ein globales Thema auf das Leben in Kiel und Umgebung »herunterbrechen « lässt. Sie müssen sich Gesprächspartner vor Ort suchen, Interviews führen und Fotos machen. Theresa Warnk schrieb etwa über klimafreundlichen Einkauf auf dem Wochenmarkt, Erik Lohmann über den »Umsteiger«, das Fahrradparkhaus mit Werkstatt und Servicestation am Hauptbahnhof. Dass diese Themen nicht nur für Studierende interessant sind, lassen die Zugriffszahlen vermuten. So wurden im Oktober 2010 rund 140 Leser am Tag gezählt, die rund 380 Texte lasen. »Die Zahlen steigen«, freut sich Christoph Corves.
Für Warnk und Lohmann ist das Studienprojekt GeoZeit inzwischen zu Ende. Ihre Entscheidung haben sie nicht bereut. »Die Betreuung war super, und es gab immer sehr ehrliches Feedback«, sagt Theresa Warnk. Sie will Geo-Journalismus auch im Masterstudiengang weiter verfolgen. »Die Erfahrung ist eine Menge wert«, sagt auch Erik Lohmann. »Am Anfang unterschätzt man, wie viel Aufwand in so einem Artikel steckt – bis man dann lernt, rechtzeitig anzufangen.«
Eva-Maria Karpf
Im Internet: www.geozeit.de
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