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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 63 vom 11.12.2010, Seite 4  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Feuerwehr der Tiefsee

Groß war der Schock, als nach einer misslungenen Tiefseebohrung der Golf von Mexiko von einer nie dagewesenen Ölpest heimgesucht wurde. Lehren wurden daraus aber noch nicht gezogen.


Ölbohrungen im Wasser sind immer riskant. Deshalb sollten sich die Verant­wortlichen für Zwischenfälle wappnen. Foto: iStockphoto

Was genau ist bei der Explosion der »Deepwater Horizon« schief gelaufen? Warum taten sich die Einsatzkräfte beim Schließen des Bohrloches so schwer? Wie geht der Abbau des Öls vonstatten? Welche Folgen hat die Katastrophe für die Meerestiere, und wie ist das ganze Malheur rechtlich einzuordnen? Diese und andere Fragen behandelt der Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" in einer 40-seitigen Broschüre, die sich aus vielen verschiedenen Blickwinkeln mit dem Unfall beschäftigt.

Eine derartige Nachbetrachtung empfiehlt sich dringend, meint Professor Jan Hinrich Behrmann, der sich im Exzellenzcluster mit der Dynamik des Ozeanbodens beschäftigt und zu den Autoren der Broschüre gehört. Seine Einschätzung begründet er nicht hochwissenschaftlich, sondern mit dem gesunden Menschenverstand. Die Technik, die der Ölkonzern BP im Golf von Mexiko einsetzte, war aus seiner Sicht gewiss nicht schlecht, die damit arbeitenden Menschen verhielten sich nicht fahrlässig. Trotzdem kam es zu einer gewaltigen Havarie, die sich nach Behrmanns Überzeugung im Prinzip jederzeit wiederholen kann. »Allein die extremen Bedingungen in Wassertiefen von bis zu 2.500 Metern machen den Umgang mit technischen Installationen am Meeresboden so schwierig, dass Pannen nie ganz ausgeschlossen werden können«, gibt er zu bedenken.

Zudem führt schlichte Mathematik zur Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit genau solcher Zwischenfälle in den kommenden Jahren drastisch zunehmen wird. 12 bis 20 Euro müssen die Konzerne investieren, um ein Barrel Öl aus der Tiefsee zu holen. »Bei einem Weltmarktpreis von dauerhaft über 100 Dollar pro Barrel rechnet sich das«, betont Behrmann und verweist darauf, dass die gegenwärtige Marke von etwa 90 Dollar noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein dürfte.

Die Aussicht, ein knapper werdendes Gut zu steigenden Preisen verkaufen zu können, wird also mehr denn je Bohrbemühungen selbst in unwirtlichsten Tiefen rechtfertigen. Gefordert ist also ein entsprechendes Krisenmanagement. Behrmann greift dabei zu einem Vergleich mit Flughäfen: »Die leisten sich eine eigene Feuerwehr, weil sie wissen, dass so etwas sehr sinnvoll ist, wenn ein Unfall passiert.« Nach diesem Vorbild müsse künftig in jeder Tiefseeprovinz eine Art Feuerwehr vorgehalten werden, die aufgrund der Erfahrungen von BP sogar auf erprobtes Rüstzeug zurückgreifen könnte. Abdeckglocken auf Vorrat würden im Zweifel zwar keine Havarie verhindern, wohl aber deren Folgen erheblich eindämmen.

Jan-Hinrich Behrmann ist in dieser Hinsicht durchaus optimistisch. »Früher oder später wird es dazu kommen«, sagt er, fügt aber hinzu, dass dazu Regelungen der Nationalstaaten nötig sind, in deren Hoheitsgebieten die einzelnen Bohrfelder liegen. Nur wenn klar vorgegeben werde, welche »Feuerwehr« nötig ist und wie sie finanziert werden muss, sei den Konzernchefs die Angst zu nehmen, sich durch hohe eigene Sicherheitsinvestitionen Wettbewerbsnachteile gegenüber der womöglich weit knauserigeren Konkurrenz einzuhandeln.

Martin Geist

Die Broschüre »Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko – was bleibt?« ist kostenlos erhältlich beim Exzellenzcluster »Ozean der Zukunft«, Christian-Albrechts- Platz 4, 24118 Kiel.
Zum Download bereit steht sie unter www.ozean-der-zukunft.de/publikationen
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