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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 63 vom 11.12.2010, Seite 5  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Grüner Daumen

Nataliya Rybalka untersucht in ihrer Doktorarbeit die genetischen Unterschiede von Gelbgrünalgen. Dafür erhielt sie den Förderpreis "For Women in Science" ("für Frauen in der Wissenschaft").


Für den Laien ist es nur grünes Wasser, für die Algen-Expertin ist es ein potenzieller Rohstofflieferant. Foto: L‘Oréal

Dass Nataliya Rybalka diese Förderung erhält, verdankt sie nicht nur ihrem wissenschaftlichem Eifer oder dem zukunftsträchtigen Forschungsgebiet, sondern auch ihrer kleinen Tochter Mariya Katharina. Denn das Programm »For Women in Science« richtet sich ausschließlich an begabte Naturwissenschaftlerinnen mit Kind. Sie sollen ihr Forschungspotenzial optimal ausnutzen können sowie mehr Zeit für ihre wissenschaftliche Arbeit und internationale Mobilität gewinnen.

Nataliya Rybalka untersucht in ihrer Doktorarbeit die Biodiversität von Gelbgrünalgen (Xanthophyten), einer bisher kaum erforschten Gruppe von Mikroalgen. »Diese zeigen unter dem Mikroskop keine auffälligen Unterscheidungsmerkmale. Es braucht daher einige Anstrengungen, um ihre Geheimnisse zu lüften«, erklärt die 29-jährige Biologin, die genau das an ihrer Forschung reizt. Bisher hat sie schon herausgefunden, dass sich hinter der einfachen Morphologie der Gelbgrünalgen eine unerwartet große genetische Vielfalt verbirgt. »Gelbgrünalgen bevorzugen als Lebensraum kühle Gewässer oder häufig gefrorene beziehungsweise schneebedeckte Böden. Sie kommen also mit extremen Umgebungen klar«, so Rybalka. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass sie wertvolle Substanzen beinhalten, die sich biotechnologisch gewinnen lassen So hat man zum Beispiel in Kieselalgen aus den polaren Meeren Enzyme gefunden, die schon bei sehr niedrigen Temperaturen aktiv sind.

Rybalka forschte schon während ihres Studiums in Kiew mit Mikroalgen. Seit November 2008 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Botanischen Institut der CAU in der Abteilung Pflanzenphysiologie und Biotechnologie (Leitung: Professor Rüdiger Schulz). Ihr Arbeitsplatz ist die Algensammlung an der Universität Göttingen. Nach der Geburt ihrer Tochter im Februar 2009 setzte sie bereits im Mai 2009 ihre Arbeit fort. Seit dieser Zeit versucht sie Kind und Forschung unter einen Hut zu bekommen, nicht immer mit Erfolg. »Manchmal klappt alles super, manchmal klappt gar nichts«, gibt sie zu. Die Familie ist zu weit weg, um im Notfall einspringen zu können. Wenn zum Beispiel das Kind krank ist und nicht in die Kita kann, dann müsse die Arbeit im Labor eben liegen bleiben. Im Normalfall geht ihre fast zweijährige Tochter vormittags in die Kinderkrippe und nachmittags an zwei oder drei Tagen zur Tagesmutter. Unterstützung gibt es außerdem vom Lebensgefährten, einem Forschungskollegen. »Wir arbeiten im selben Gebiet, das ist sehr praktisch.« Wenn ein Kongressbesuch ansteht, nehmen sie die Tochter einfach mit und wechseln sich bei der Betreuung ab.

Den Förderpreis »For Women in Science« erhielt sie zusammen mit zwei anderen Doktorandinnen. »Frau Rybalka wurde ausgewählt, weil sie in ihrer Arbeit über die Klassifizierung von Xanthophyten große Unabhängigkeit, Ausdauer und Können bewiesen hat«, erklärt Dr. Brigitte Walderich, Geschäftsführerin der Christiane-Nüsslein-Volhard Stiftung, Tübingen. »Sie bringt alle Voraussetzungen mit, die man als Forscherin haben sollte: Begeisterung und Visionen für ihr Thema, Durchhaltevermögen und eine klare Vorstellung, wie ihre Karriere aussehen soll. Sie hat erkannt, dass in den Xanthophyten großes Potenzial liegen könnte, interessiert sich aber vor allem dafür, die genetischen und molekularen Eigenschaften dieser Organismen mit modernen Methoden genau zu untersuchen.«

Der Preis beinhaltet eine finanzielle Entlastung von bis zu 400 Euro monatlich für Haushalt oder zusätzliche Kinderbetreuung sowie ein individuelles Karriere-Förderprogramm, das zum Beispiel Maßnahmen wie Coaching oder Mentoring einschließt. Für die betreuende Forschungseinrichtung, in diesem Fall das Botanische Institut der CAU, gibt es außerdem 10.000 Euro, die für den Bau eines Spielplatzes im Botanischen Garten eingesetzt werden. Die Auszeichnung wird verliehen von L‘Oréal Deutschland, der Deutschen Unesco- Kommission und der Christiane-Nüsslein-Vollhard- Stiftung.

Kerstin Nees

Bewerbungsschluss für die nächste Förderrunde »For Women in Science« ist der 31.12.2010.
Im Internet: www.fwis-programm.de
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