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unizeit Nr. 63 vom 11.12.2010, Seite 7  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Warten auf den Schmetterling

Mit Orchideen und Insekten erklärte Charles Darwin die Evolution. Eine preis­gekrönte Show zeigt die Blumen in ihrer vielfältigen Pracht.


Im Botanischen Garten der Kieler Uni gedeihen viele Orchideen-Arten, hier ein Exemplar der Gattung Masdevallia. Foto: CAU / Botanischer Garten

Rund 23.000 Orchideen-Arten auf der ganzen Welt sind heute bekannt. Seltene Sorten werden zu Höchstpreisen gehandelt, Züchtungen für ein paar Euro in jedem Gartenmarkt angeboten. Bereits zu Lebzeiten von Charles Darwin (1809–1882) waren die Menschen von der Schönheit dieser Blumen begeistert. »Eine Untersuchung ihrer vielen schönen Vorrichtungen wird in den meisten Menschen größere Achtung für das ganze Pflanzenreich bewirken«, schreibt Darwin daher in der Einführung zu seinem 1862 erschienen Orchideen-Buch. Es belegte mit praktischen Beispielen die Thesen, die er zuvor in seinem bahnbrechenden Werk »On the origin of species« (»Die Entstehung der Arten«) aufgestellt hatte.

»Orchideen sind die größte Familie des Pflanzenreichs «, sagt Dr. Martin Nickol, Kustos des Botanischen Gartens an der Kieler Universität. »Sie haben alle den gleichen Bauplan, unterscheiden sich aber in ihrer Größe, in den Farben, in den Proportionen.« Darwin habe wissen wollen, warum es diese große Vielfalt gibt. »Damals galt ja noch die Vorstellung, dass Gott jede Pflanze perfekt erschaffen habe«, so Nickol weiter. »Aber Darwin fiel auf, dass man in den Formen eine Entwicklung sehen konnte.«

Es war nicht allein ihre Schönheit, die Darwin zu den Orchideen zog. »Angefangen hat es mit einem Spaziergang im englischen Kent«, erzählt Nickol. »Darwin sah, dass eine Pyramidenorchidee frühmorgens von Insekten besucht wurde – und dann lange nicht mehr.« Weil er überzeugt war, dass Insekten sinnvoll handeln, ging Darwin der Sache auf den Grund. Dafür ließ er sich von überallher Orchideen schicken, die er in seinen Treibhäusern beobachtete, künstlich vermehrte und mikroskopierte. »Er fand heraus, dass die Insekten in den Blüten sehr sinnvoll geleitet wurden und sie so bestäubten«, so Nickol weiter. »Es war nur ein Besuch der Insekten nötig, weil jede Orchidee ihren ganzen Pollenvorrat einem einzigen Insekt gibt.«

Im Zuge seiner Beobachtungen lernte Darwin das Leben der Orchideen so gut kennen, dass er neue Thesen aufstellte. »Er konnte zum Beispiel am Sporn der Orchidee erkennen, welches Insekt sie bestäubt«, erklärt Nickol. Bekannt ist das Beispiel des »Sterns von Madagaskar« (Angraecum sesquipedale) mit einem bis zu 40 Zentimeter langen Sporn. »Darwin sagte voraus, dass es einen Schmetterling mit einem entsprechend langen Saugrüssel geben müsse«, so Nickol. »Der wurde viele Jahre nach seinem Tod tatsächlich entdeckt.« Zu Ehren Darwins erhielt der Schwärmer (Xanthopan morganii) als letzten Teil seines botanischen Namens den Zusatz praedicta – Vorhergesagter.

Eva-Maria Karpf
Eine Koproduktion von Universität und Fachhochschule
führt die Zuschauer im Mediendom in die Welt von Charles Darwin ein. Die Produktion wurde mit 100.000 Euro von der Volkswagen-Stiftung gefördert. Ihre visuelle Dramaturgie entwickelte der Designer Ralph Heinsohn, der seit Jahren mit dem Mediendom zusammenarbeitet. Er hatte unter anderem die Idee, Pflanzen und Tiere aus gefalteten Buchseiten entstehen zu lassen. Für das ganzheitliche visuelle Konzept erhielt die Show mehrere Design-Preise, zuletzt den »Red Dot Award« und den »DDC – Gute Gestaltung 11«.

»Mich hat schon immer gestört, dass Fotos nur zweidimensional sind«, sagt Martin Nickol. »Im Mediendom können wir dank der 360-Grad-Projektion die Evolution von allen Seiten zeigen.« (emk)

Termine der Show: 27. Dezember 2010, 2., 8. und 22. Januar 2011, jeweils 18 Uhr.
Im Internet: www.orchideen-wunder-der-evolution.de, »Orchideen – Wunder der Evolution«
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