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unizeit Nr. 64 vom 12.02.2011, Seite 3  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Eine Uni für alle Talente

Die Hochschulen müssen mehr dafür tun, dass nicht nur Kinder von Studierten studieren. Das ist ein Ziel des Projekts »Diskriminierungsfreie Hochschule«.


»Eine bunter werdende Gesellschaft braucht auch buntere Universitäten und Fachhochschulen. Das haben die Hochschulen noch nicht wirklich erkannt«, erklärt die Kieler Soziologieprofessorin Uta Klein. »Wer schwierigere Ausgangsbedingungen hat oder nicht genau in die vorgegebenen Schemata passt, hat oftmals keinen Erfolg.« Das bestätigt auch der Bildungsbericht 2010. Nach wie vor stammen die meisten Studierenden aus einem akademisch geprägten Elternhaus. Abiturienten aus bildungsferneren Familien bevorzugen hingegen eine Berufsausbildung. Den Hochschulen geht damit potenzieller wissenschaftlicher Nachwuchs verloren.

Gleiches gilt für Menschen mit körperlicher Behinderung, ausländischen Wurzeln oder für Quereinsteiger mit Berufserfahrung, die sich erst spät für ein Studium entscheiden. Eine Universität, die im Wettbewerb bestehen will, muss jedoch alle Talente einbinden.

»Daher ist eine aktive, auf Diversität angelegte Hochschulpolitik von grundlegender Bedeutung«, so die Professorin für Diversity (Vielfalt) und Gender (Geschlechtergleichstellung) an der CAU. Als Koordinatorin des Projekts »Diskriminierungsfreie Hochschule« der Antidiskriminierungsstelle des Bundes setzt sie sich dafür ein.

Eine Hochschule hat die gesellschaftliche Aufgabe der Bildung und Bildungsgerechtigkeit und muss durch gezielte Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass »mehr Gruppen aus der Gesellschaft Zugang zu Hochschulen erhalten und unterstützt werden«, unterstreicht Klein. Die Uni muss im Bereich der Chancengleichheit mit bestem Beispiel vorangehen. Im Gegenzug steigert sie damit gleichzeitig die Attraktivität für ihre Mitglieder. Klein: »Wenn es darum geht, die "Besten" zu gewinnen – als Studierende und als Lehrende – darf sich eine Universität nicht auf eine herkömmliche dominante Gruppe konzentrieren.« In Zeiten von Exzellenz und Wettbewerb im Hochschulsektor müsse die Universität auf die verschiedenen Lebenssituationen und Bedürfnisse aller Beteiligten eingehen. Nur so seien neue Studierende, wissenschaftliches und nicht wissenschaftliches Personal an den hiesigen Hochschulstandort zu locken.

In der Praxis bedeutet dies, Forschung, Lehre, Personalpolitik und Infrastruktur kritisch zu überprüfen und Hindernisse für Diversität zu beseitigen. Barrierefreie Räume müssen gebaut und Lehrmaterialien für Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung zur Verfügung gestellt werden. Das Personal benötigt interkulturelle Trainings und Mentoringprogramme, um mit Kollegen, Studierenden und Forschenden aus anderen Ländern angemessen kommunizieren und umgehen zu können. Studentinnen brauchen bereits im Studium Anreize und Motivation für eine wissenschaftliche Laufbahn, Dozentinnen und Forscherinnen können durch eine familiengerechte Umgebung in der Karriereplanung unterstützt werden. Dies sind nur einige Punkte auf der Agenda der CAU. Ziel ist, Vielfalt auf allen Ebenen zu fördern, weil die Wissenschaft alle Talente braucht.

Die Universität nimmt damit unmittelbar positiven Einfluss auf Gleichberechtigung auch außerhalb der Hochschule und ermöglicht, dass »tolerante und offene Gesellschaften erfolgreicher den kommenden Herausforderungen begegnen«, so Klein. Wer die Ringvorlesung »Diversity und Hochschule« vom Wintersemester 2010/11 verpasst hat, kann die aufgezeichneten Vorträge im Internet anschauen unter www.gender.uni-kiel.de/veranstaltungen_rv2010. Dort gibt es die Präsentationen auch zum Herunterladen.

Anne Spaller / Kerstin Nees
www.gender.uni-kiel.de
Projekt gegen Diskrimierung
Das Modellprojekt »Diskriminierungsfreie Hochschule « der Antidiskriminierungsstelle des Bundes untersucht, wie Studium, Forschung und Lehre, aber auch der nichtwissenschaftliche Bereich diskriminierungsfrei gestaltet werden können. Kernstück ist die Entwicklung eines Indikatorensystems, um Benachteiligungen etwa beim Zugang zum Studium, bei der Zusammensetzung von Hochschulgremien oder bei Stellenbesetzungen feststellen zu können. Ergebnis soll bis Ende 2011 ein Praxishandbuch sein, das Hochschulen hilft, Benachteiligungen aufgrund von Alter, Behinderung, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung und sexueller Identität zu erkennen und zu vermeiden. An dem Projekt beteiligen sich zehn deutsche Hochschulen. (ne)
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