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Nr. 64, 12.02.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Weniger Kalorien fürs Geld

Ob gesunde Ernährung wirklich teurer ist als ungesunde, dazu gibt es verschiedene Auffassungen. Komplizierter ist sie aber auf jeden Fall.


Sich gesund zu ernähren ist auch eine Kostenfrage. Davon ist Dr. Silke Thiele vom Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre überzeugt. Dabei zählt die Kieler Ernährungsökonomin zu den Kosten für Ernährung nicht nur die tatsächlichen Ausgaben für Lebensmittel, sondern auch indirekte Kosten wie Zeit für Einkauf und Zubereitung, speziellen Lagerbedarf oder Know-how. »Um zum Beispiel ein Gemüse- oder Fischgericht geschmackvoll zuzubereiten, braucht man Kochkenntnisse«, so Thiele. Fischstäbchen zu braten sei dagegen ein Kinderspiel. Ein Schokoriegel zwischendurch stillt den Hunger, wenn die Zeit für eine richtige Mahlzeit fehlt. Der Riegel kann wochenlang in der Schublade liegen, ohne dass man es ihm ansieht.

Bananen oder Birnen, die gesünderen Varianten, überstehen kaum den Transport von zu Hause in Schule oder Büro unbeschädigt. Die Lagerung für »Notzeiten« ist undenkbar. Thiele: »Das sind Dinge, die eine gesunde Ernährung viel komplizierter und auch teurer machen.« Wie teuer genau, kann sie nicht sagen. »Das lässt sich schwer beziffern, weil die indirekten Kosten bisher noch nie umfassend ermittelt wurden.«

Um diese Lücke zu schließen, plant die Wissenschaftlerin ein neues Forschungsprojekt. Dabei sollen zum einen die indirekten Kosten erfasst werden. Zum anderen sollen ideale Warenkörbe zusammengestellt werden, die mit minimalen indirekten und direkten Kosten eine optimale Nährstoffversorgung sicherstellen. Auch soll das Projekt helfen, die Frage zu beantworten, ob der Hartz-IV-Regelsatz für eine aus wissenschaftlicher Sicht gesunde Verpflegung ausreicht.

Aber selbst wenn man nur die direkten Kosten, also allein die Ausgaben für Lebensmittel, vergleicht, scheint eine gesunde Ernährung tatsächlich teurer zu sein als eine ungesunde. Das hat die Ernährungsökonomin in eigenen Berechnungen auf Grundlage einer Verbrauchererhebung aus dem Jahr 2003 herausgefunden. Für die Stichprobe haben 12.000 Haushalte einen Monat lang aufgeschrieben, wie viel sie von bestimmten Lebensmitteln gekauft und was sie dafür ausgegeben haben.

Diesen Lebensmittel-Warenkorb bewertete Thiele je nach Zusammensetzung als ungesund oder gesund auf einer Skala von 0 bis 1. Dann verglich sie die Ausgaben für die Warenkörbe. Thiele: »Die Frage war: Geben Haushalte, die gesündere Lebensmittel einkaufen, mehr für ein Kilogramm Lebensmittel aus, weniger oder gleich viel? Da finden wir erst einmal keinen Unterschied.« Sprich, ein gesunder Warenkorb kostet genauso viel wie ein ungesunder Warenkorb gleichen Gewichts. Wenn man jedoch den Preis auf den Energiewert, also auf die Kilokalorien beziehe, sei eine gesunde Ernährung teurer. Oder anders gesagt, bei ungesunden Lebensmitteln bekommt man mehr Kalorien fürs gleiche Geld als bei gesunden. Das bedeutet, man braucht weniger von diesen, um satt zu werden.

Für Silke Thiele ist dieses Detail wichtig. Denn wenn eine gesunde Ernährung schlicht und einfach teurer ist, »dann können wir noch so viele Informationen zur Verfügung stellen und Kampagnen machen, sie werden ins Leere laufen, weil man nicht an dem eigentlichen Problem dran ist.«

Kerstin Nees
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