Einwurf: Feiern mit Fernseher

Hans Jürgen Wulff Foto: Uni Kiel
Hans Jürgen Wulff: Nein. Für mich ist das ein Grund zum Flüchten. Oft wird Karneval ja mit Spießertum gleichgesetzt – ich glaube aber, das muss man differenzierter sehen. Karnevalsvereine leisten schließlich etwas für die Menschen vor Ort.
Warum erreichen Karnevalssendungen Zuschaueranteile zwischen 15 und 25 Prozent?
So weit ich weiß, gibt es dazu noch keine Studien. Man muss es wohl aus der Geschichte erklären. In den 1950ern standen die Fernsehgeräte nicht zu Hause. Man traf sich zum Fernsehen in der Kneipe. So entstanden Formate zum Mitfeiern – Prunksitzungen mit Bühnenprogramm eigneten sich gut dafür. Die alemannische Fasnacht, wo es solche Sitzungen nicht gibt, kommt zum Beispiel im Fernsehen kaum vor. Dass sich die Achse Mainz-Köln durchgesetzt hat, mag auch an der Nähe zu den Sendehäusern liegen. Zudem gibt es einen kommerziellen Aspekt: Faschingsschlager wie etwa die von Ernst Neger verkauften sich gut.
Worin liegt der Reiz des Rosenmontagszugs am Bildschirm?
Zur historischen Karnevalstradition gehört, dass die Machtverhältnisse für eine bestimmte Zeit ausgesetzt waren, auch die Zensur. So wurden Spott und Satire möglich. In den Wagenumzügen haben sich Reste davon erhalten. Wenn dort Angela Merkel auf die Schippe genommen wird, spricht das nicht nur Zuschauer im Rheinland an. (emk)
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