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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Unizeit – Nachrichten aus der Universität Kiel

unizeit Nr. 64 vom 12.02.2011, Seite 8  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE   Druckfassung

Kult und Körper

Skigymnastik. Das klingt nach altväterlichen Ertüchtigungsübungen und ist dennoch das beliebteste Fitnessangebot an der Uni Kiel.


Volle Halle: Wenn im Sportzentrum der Uni Kiel Skigymnastik auf dem Programm steht, wird es meistens eng. Foto: pur.pur

Wenn sich Bert Kühl zum Sound wummernder Bässe aufs Podest in der Hallenmitte stellt und sein Programm abspult, erscheinen meist um die 400 Fans. Fans dieser Sportart und wohl auch des Übungsleiters, der es in der Kieler Skigymnastik zu einem gewissen Kultstatus gebracht hat.

Blaues Basecap und coole Sprüche sind die Markenzeichen von Bert Kühl, Leisetreterei dagegen gehört nicht dazu. »Bewegung, Bewegung … alle!«, treibt er seine nach Alter und Figur denkbar bunt gemischte Sportgruppe an. Und selbst Sprüche, die den Fastschon- Senioren im Kreis der Schwitzenden noch prima aus dem eigenen Turnunterricht bekannt sind, kommen ihm locker über die Lippen: »Bauch raus. Brust rein.« Dann folgt das Zusatzkommando »Andersrum«. Die nach Fitness Strebenden fragen sich, wie das denn nun gehen soll, und finden es lustig, weil es ja wirklich klappt.

»Ich bin nicht gerade der Clown vom Dienst, aber ich habe auch kein Problem, mich hinzustellen und den Vorturner zu machen«, sagt Kühl über Kühl. Er qualifizierte sich vor 14 Jahren als Student der Betriebswirtschaftslehre zum leitenden Skigymnasten, weil er Spaß dran hatte und es ein vergleichsweise gut bezahlter Nebenerwerb war. Seine Arbeit betrachtet Kühl derweil ein gutes Stück weit als Entertainment. »Es geht nicht nur um Sport, sondern darum, vom Alltagsstress runterzukommen «, sagt er und bezieht das durchaus auch auf sich selbst. Inzwischen ist er als Steuerberater längst gut im Geschäft und müsste sich des Geldes wegen der Übungsleiterei gewiss nicht mehr hingeben.

»He, he, he! Geht's euch gut?« Klar, allen geht es gut, wenn der Bert seine Beats dröhnen lässt. Als Hampelmänner, Schattenboxer, Einbeinhüpfer oder mit Armbewegungen, die eine unsichtbare Hantelmaschine zu drücken scheinen, bringen sie ihren Kreislauf auf Touren. Mit Erfolg offenbar. Nach 20 Minuten häufen sich die Griffe zu den reichlich am Hallenrand postierten Wasserflaschen, und der Vorturner schaltet erstmal einen Gang zurück.

Erstmal. Wenig später geht es schon wieder richtig zur Sache, bis hin zu Gemeinheiten wie der Abfahrtshaltung mit zittrig gespannter Oberschenkelmuskulatur und den zeitlos verhassten Liege­stützen.

Skigymnastik heißt die Skigymnastik an der Uni Kiel, weil sie schon immer so heißt. Genauso gut könnte die Überschrift auch Aerobic oder Pop-Gymnastik oder sonst wie lauten. »Das spielt keine Rolle«, meint Kühl, der richtiggehend Freude daran zu empfinden scheint, dass eine verbal so konventionell verkleidete Sportstunde derart kultig daherkommt. So stark ist der Zulauf, dass die Leitung des Uni-Sportzentrums Übungen mit Laufeinlagen äußerst ungern sieht. Die Gefahr eines Zusammen­stoßes wäre in der allgemeinen Enge einfach zu groß.

Lohnt sich der ganze Rummel? »Logisch«, keucht Pädagogikstudentin Anja Meistring, die nach dem Schlussakkord von Bert Kühl genauso ausgepowert ist wie die meisten anderen in der Halle. Und um schätzungsweise 500 bis 600 Kilokalorien ärmer.

Zweimal die Woche Skigymnastik wäre im Hinblick aufs Wohlergehen von Herz, Kreislauf und Muskulatur wünschenswert, einmal die Woche ist aus Sicht von Kühl immer noch viel besser als gar nicht. Möglich ist dieser Sport unabhängig von der Saison fast grenzenlos. Jeden Werktag von 19 bis 20 Uhr, dazu noch in jeweils zwei Durchgängen an Sonnabenden und Sonntagen von 10 bis 12 Uhr hat das akademische Volk Gelegenheit, nach Herzenslust zu schwitzen und zu hüpfen.

Dass das auch für Unifremde ohne Anmeldung und gegen eine geringe Gebühr möglich ist, steigert die Attraktivität der Skigymnastik zusätzlich. In dieser Disziplin jedenfalls könnte die Uni Kiel so mancher den Alpen viel näheren Hochschule locker den Rang ab laufen.

Martin Geist
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