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Nr. 64, 12.02.2011  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Einsatz im Klassenzimmer

Wenn Kieler Schülerinnen und Schüler an Gräsern ziehen, Weizen untersuchen und Bakterien mikroskopieren, können sie auf Beistand von Profis bauen.


Diese Schülerinnen und Schüler vom Gymnasium Kronshagen tauchen in die agrarwissenschaftliche Forschung ein. Foto: Afshin Farokhi

Kiel hat den Wettbewerb »Stadt der jungen Forscher 2011« für sich entschieden. Das erfolgreiche Konzept trägt unter anderem die Handschrift des Exzellenzclusters »Ozean der Zukunft« und fußt auf dessen Erfahrungen mit den Schulprogrammen. An der Umsetzung des Vorhabens hat die Christian-Albrechts- Universität zu Kiel einen großen Anteil. Bei 33 der 49 bewilligten Schulprojekte engagieren sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kieler Universität, des Uniklinikums und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN). Sie wollen Kinder und Jugendliche für Wissenschaften begeistern, ihnen einen Einblick in den Forschungsalltag bieten und dabei gleichzeitig ihr eigenes Arbeitsgebiet vorstellen.

Einer von ihnen ist Professor Karl H. Mühling vom Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde. Zusammen mit der Chemielehrerin Isgard Fenske und dem Physiklehrer Dr. Afshin Farokhi vom Gymnasium Kronshagen hat der Agrarwissenschaftler das Projekt »Boden, Brötchen, Klima – alles prima?« entwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei der Weizenanbau und wie er sich auf Boden, Wasser und Klima auswirkt. »Das hat unmittelbar mit der Düngung, also der Ernährung der Pflanzen, und dadurch mittelbar auch mit unseren Ansprüchen an die Qualität unserer Brötchen zu tun«, erklärt Mühling. Denn nur wenn die Pflanzen die benötigten Nährstoffe im richtigen Verhältnis bekommen, können sie wachsen und zum Beispiel die fürs Brotbacken wichtigen Proteine bilden. Was passiert, wenn den Weizenpflanzen Nährstoffe fehlen, können die Schülerinnen und Schüler mit Pflanzenversuchen im Gewächshaus selbst herausfinden.

Dies ist nur ein Teil des abwechslungsreichen Forschungsprogramms, für das der wissenschaftliche Nachwuchs auch Boden- und Pflanzenproben auf dem Versuchsgut nimmt und anschließend im Labor analysiert. »Die Vorbereitung ist genauso aufwändig wie für meinen Kurs für Bachelorstudierende«, berichtet Mühling. Inhaltlich sei es ähnlich anspruchsvoll. So können die Schülerinnen und Schüler hautnah erleben, was das Studium beinhaltet. »Wir machen Berufsbild-Lobbyarbeit. Viele wissen nicht, was Agrar- und Ernährungswissenschaften überhaupt sind und welche Fächer dazugehören. Das erfahren die Schüler hier quasi nebenbei«, so Mühling.

Bei einem anderen Projekt geht es um das wissenschaftliche Arbeiten als solches. Wächst das Gras schneller, wenn man daran zieht? Dieser Frage geht eine Gruppe der Lernwerft- Schule mit ihrem Biologielehrer Thies Wels nach. Professor Joachim Schrautzer vom Institut für Ökosystemforschung begleitet sie. Die Mittelstufenschüler überlegen selbst, wie sie praktisch an die Frage herangehen können und welche Daten sie für die Antwort brauchen. »Die Zusammenarbeit mit einem Wissenschaftler der Uni ist hier natürlich motivierend«, so Schrautzer. »Wichtig für mich ist, dass dies keine einmalige Aktion ist, sondern der Anstoß für eine künftige intensivere Zusammenarbeit.«

Mit einem aktuellen Problem in der Medizin befasst sich eine 12. Klasse der Humboldt- Schule beim Projekt »Erforschung von Antibiotikaresistenz in Bakterien«. Unterstützt wird sie von Biologielehrerin Christiane Frenzel und Zoologieprofessor Hinrich Schulenburg. »An harmlosen Bakterien untersuchen die Schüler, unter welchen Bedingungen Resistenzen häufiger und weniger häufig auftreten «, erklärt Schulenburg. Die theoretischen Grundlagen dafür seien mittlerweile ganz gut bekannt. Experimentelle Daten gebe es jedoch kaum. Dabei kann die Klasse helfen. »Denn es lässt sich mit einfachen Mitteln in der Schule untersuchen.« Vom Niveau der Schülerinnen und Schüler ist der Zoologe beeindruckt. »Die können mit unseren Studierenden mithalten.«

Kerstin Nees

www.kiel.de/jungeforscher
www.ozean-der-zukunft.de/schule
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