Hinter Klostermauern
Strenge Regeln, Arbeit und Gebet: In der Abteilung Regionalgeschichte am Historischen Seminar wird die fremde Welt der mittelalterlichen Klöster erforscht.

Der Lübecker Rat gründete 1225 das Franziskanerkloster St. Katharinen. Um 1300 wurde die Klosterkirche erbaut, zu deren Besonderheiten ein zweigeschossiger Chor gehört. Das Foto zeigt das beeindruckende Gewölbe des Unterchors. Foto: Uni Kiel
»Die früheste Kloster- beziehungsweise Stiftsgründung im untersuchten Gebiet war Mitte des 9. Jahrhunderts das Hamburger Domkapitel«, sagt Projektmitarbeiterin Dr. Katja Hillebrand. Ab dem 9. Jahrhundert habe das Christentum zunächst in Hamburg und dann im Gebiet nördlich der Elbe Fuß gefasst, berichtet die Kunsthistorikerin. Zu den wichtigsten Missionaren gehörten Ansgar, der Erzbischof von Hamburg-Bremen, und Vicelin, der Bischof von Oldenburg in Holstein.
Alle großen Ordensgemeinschaften gründeten im Lauf der Jahrhunderte Niederlassungen im Land. So gab es beispielsweise Benediktiner in Cismar und Schleswig, Augustinerinnen in Lübeck, Prämonstratenser in Ratzeburg und Zisterzienser im heute dänischen Løgumkloster in der Nähe von Tønder. In Bordesholm und Neumünster waren Augustiner-Chorherren zu Hause, im Kloster Preetz lebten Benediktinerinnen.
Die Kieler Stadtgeschichte ist untrennbar verknüpft mit dem Franziskanerkloster, in dem Stadtgründer Herzog Adolf IV. seinen Lebensabend als Mönch verbrachte. Letzte Gründungen unmittelbar vor der Reformation waren das St.-Annen-Kloster in Lübeck von 1504 und das Franziskanerkloster in Lunden von 1516. Bis auf die zu adligen Damenstiften umgewandelten Niederlassungen in Preetz, Schleswig, Itzehoe und Uetersen wurden alle Klöster im Zuge der Reformation aufgelöst. Doch habe es in jüngerer Vergangenheit erneute Gründungen gegeben, berichtet Auge: »Das Benediktinerkloster in Nütschau beispielsweise besteht seit den 1970ern.«
Im Rahmen des Klosterprojekts wurden zunächst alle Klöster in einem Register erfasst, das Quellen und Literatur auflistet. Nicht alle Klöster sind noch als Gebäude erhalten, ihr Besitz ist heute zum Teil in Bibliotheken, Archiven und Museen zu finden. »Manche Klöster kennen wir überhaupt nur, weil sie in Chroniken erwähnt sind«, erklärt Katja Hillebrand. Sie war Autorin für das Brandenburgische Klosterbuch und trug die Idee nach Kiel weiter, wo sie bei Landeskundler Professor Thomas Riis und seinem Nachfolger Oliver Auge auf offene Ohren stieß.
Aus den Angaben im Kloster-Register erarbeiten Fachleute aus verschiedenen Disziplinen wie Geschichte, Kunstgeschichte und Theologie jetzt das Klosterbuch, in dem die Geschichte jedes Klosters beschrieben wird. Beim Aufbau orientieren sich die Kieler Forscherinnen und Forscher an den Klosterbüchern aus anderen Bundesländern. »Die Tagung im November war als Gesprächsforum für die Autoren gedacht, um zu sehen, wo noch Forschungsbedarf besteht«, erklärt Oliver Auge. Ihn beeindruckte, wie viele interessierte Laien die Tagung besuchten. An sie wendet sich auch die geplante Ausstellung »Glauben – Wissen – Leben«, die mit Studierenden des Historischen Seminars der CAU erarbeitet wurde und vom 21. August bis 4. Dezember 2011 in der Landesbibliothek gezeigt wird. Dank der Hilfe von Landesbibliothek und vielen Museen könne man dabei »mit minimalem Budget tolle Stücke« zeigen, so Hillebrand. Reliquien und Handschriften, Ordenstrachten und liturgisches Gerät, aber auch medizinische Utensilien und Sachgüter aus dem Alltag werden Einblick in die Welt der mittelalterlichen Klöster in Schleswig- Holstein gewähren.
Eva-Maria Karpf
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